Werbung 04 • Was macht eigentlich ein Kommunikationsdesigner?

Hinweisschild WC mit Pfeil

Meine Berufsbezeichnung ist Diplom Designer (FH).

Weil ich schon weiß, dass dann die meisten denken ich entwerfe irgendwelche Designer Möbel oder schicke Kugelschreiber, sag ich dann gleich immer meine Fachrichtung dazu:

visuelle Kommunikation – und da kommt dann zurück: »Ah, du entwirfst Telefone!«

Nein.

Was für Arten von Kommunikation gibt es denn?

Die verbale Kommunikation, die gibt es einmal in einer mündlichen Variante und in einer schriftlichen. Dann gibt es die nonverbale Kommunikation und eben die visuelle Kommunikation.

Die verbale Art wird von Textern, Schauspielern, Journalisten, Schriftstellern, Moderatoren (und -Innen) verwendet.

Bei der  nonverbalen Kommunikation sind die Pantomimen die absoluten Profis und wir Laien machen es auch ständig und immer, aber meist unbewusst. Was dann ab und an zu Missverständnissen führen kann. Andere Länder andere Gesten, ich hatte das Glück in Italien mein Praktikum zu absolvieren und da war es unerlässlich »Il linguaggio dei gesti« zu lernen.

Ja und dann gibt es die visuelle Kommunikation – da bin ich Chefe!

Was macht also ein Kommunikationsdesigner mit der Fachrichtung »visuelle Kommunikation«?

Visuelle Kommunikation transformiert eine Botschaft in ein Bild.

Ziel ist es, die Botschaft möglichst schnell an den Empfänger zu übermitteln.

Ein Beispiel in Sachen Kommunikation: verbal und visuell

Zuerst die Botschaft einer schriftlichen Variante.

»Verehrter Besucher unserer Einrichtung. Wir freuen uns sehr sie in unseren Räumen begrüßen zu dürfen. Bevor sie sich in die Räume begeben, möchten sie vielleicht nochmals eine Toilette aufsuchen oder auch während ihres Besuches diesen Ort auffinden. Mit diesem kurzen Text möchten wir sie dabei unterstützen, wie sie zu den Toiletten gelangen können. Fangen wir an. Wenn Sie unser Gebäude vom Haupteingang von der Goethe Straße aus betreten haben und nicht vom Seiteneingang von der Schiller Straße, dann sehen sie rechts den Empfang und gerade aus eine kleine Treppe, die sie in das etwas höher gelegene Erdgeschoss bringt. Hier angekommen öffnet sich beidseitig der Zugang zu je einem Gang; vor ihnen liegt das Treppenhaus. Nun gehen sie nach rechts in den Gang. Hier reihen sich zu beiden Seiten die Verwaltungsbüros. Diesen Gang gehen sie bis zum Ende durch. Dort wenden sie sich nach rechts. Sie erblicken dort zwei Türen, die, entgegen zu den Türen für die Büros nicht aus dunklem Holz, sondern mit weißem Kunststoff beschichtet sind. Die linke Türe führt zu den Toiletten, die den Damen vorbehalten ist, die rechte Türe führt in die Männertoilette. Wir hoffen unsere kurze Anleitung, wie sie zu den Toiletten finden, hat ihnen geholfen. Wir freuen uns sie wieder alsbald begrüßen zu dürfen.«

Und hier die visualisierte Botschaft:

Hinweisschild WC mit Pfeil

Icon WC für Damen und Herren

Selbstverständlich könnte man den Text auch kürzer fassen. Dann wäre darüber nachzudenken, in welchen Sprachen dieser übersetzt werden müsste. 🙂

Das geschriebene Wort zur Vermittlung von Botschaften ist suboptimal.

Wir lernen: Kommunikationsdesigner arbeiten daran Botschaften so zu visualisieren, dass sie möglichst schnell vermittelt wird und der Empfänger diese auch schnell verstehen kann.
Zugrunde liegen hier Zeichen und Bilder, die oft über kulturelle Grenzen hinweg verstanden werden. Daher ist zu überlegen, wer alles die Botschaft empfangen kann. Für ein Gebäude, das auch von vielen ausländischen Besuchern aufgesucht wird, wären in dem Falle Icons zu verwenden, die auch zum Beispiel Asiaten verstehen.

Und dies ist die bessere Lösung als die erste mit dem Schild: »WC«
Icons für Damen und Herren Toiletten

Viele Icons verstehen die Menschen über kulturelle Grenzen hinaus

Icons Leitsystem zu den Toiletten

Wichtig bei Leitsystemen durchgehend dieselben Icons und denselben Stil zu verwenden

Text und Bilder. Wie unser Gehirn arbeitet.

Wir haben gesehen, dass einfache Zeichen eine Botschaft viel schneller vermitteln können, als dies ein Text kann.

Prospekte von Supermärkten auf einem Haufen

Wieso geben die Firmen soviel Geld für buntbedrucktes Papier aus?

Aber auch Fotos werden von unseren grauen Zellen viel schneller verarbeitet als Text. Denn Text muss das Gehirn immer erst dechiffrieren Bilder nicht. Ich vergleiche es immer mit Traubenzucker und Vollkornbrot. Während der Traubenzucker (Fotos) direkt von den Mundschleimhäuten aufgenommen werden kann, muss das Vollkornbrot (Text) zuerst den ganzen Verdauungsapparat durchlaufen bevor unser Körper die Kohlenstoffe verwerten kann.

Welches Kosten – Nutzen Verhältnis seht ihr hier?

Auf beiden Seiten sind dieselben Infos wiedergegeben. Die beiden linken Seiten sind unweit teurer zu produzieren als das rechte Blatt. Wieso also stecken die Firmen soviel Geld in eine so aufwendige Werbung, wenn doch die Botschaft und die Informationen viel einfacher und günstiger vermittelt werden können.

Innenseiten eines Supermarktprospekts

So kennen wir die Informationen von Supermärkten

  • Die Sachen sehen appetitlicher aus?
  • Die Abbildungen wecken Emotionen?

Beides ist richtig, aber der wesentliche Punkt ist, dass Bilder 60.000mal schneller vom Gehirn erfasst und verarbeitet werden kann als Text.

Inhalt eines Prospektes als Tabelle

Dies ist der gleiche Inhalt, eben nur als Text.

Das Gehirn ist faul

denn es möchte sowenig Energie verbrauchen wie möglich. Text muss erst mit viel Energieaufwand entschlüsselt werden während der Inhalt eines Bildes sofort erfasst werden kann. Und diesen Umstand machen sich die Werbetreibenden zu Nutze in dem sie die Produkte immer auch als Foto abbilden und nicht nur als Text.
Deshalb ist es sinnvoll Bilder, Grafiken und Illustrationen zu verwenden, um Botschaften zu vermitteln.

Märchen und Gleichnisse sind die Vorläufer des gedruckten Bildes

Zu den Zeiten, als es noch keine Möglichkeiten gab Bilder einfach und schnell in großen Mengen zu vervielfältigen bedienten sich die Menschen damit Bilder in den Köpfen entstehen zu lassen. Das funktioniert durch Geschichten, die wir heute als Märchen, Sagen, Parabeln, Fabeln, Legenden und Gleichnissen kennen.
»Rotkäppchen und der böse Wolf«, »Frau Holle«, »Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter« oder »Nathan der Weise« Alleine die Titel lösen bei uns immer noch Emotionen aus und die Erinnerung an den Inhalt wird wach gerufen. Hätten wir aber irgendwann einmal die Botschaft bekommen:

  • geh nicht allein in den Wald, dort lauert der Wolf
  • sei fleißig, dann wird es dir gut gehen
  • Helfen ist wichtiger, als Vorschriften einzuhalten
  • sei tolerant

Geschichten, die in uns Bilder und damit auch Emotionen auslösen bleiben nachhaltig gespeichert und ihre Botschaft verfestigt sich je öfter wir sie hören.

Die Wiederholung macht es

Und hier sind wir bei einem weiteren Punkt, den wir Kommunikationsdesigner anwenden: Wiederholung. Je öfter wir ein Zeichen sehen, desto eher merken wir es uns. Die Wiedererkennbarkeit und die Verbindung zwischen Bild, Aussage und Firma wird durch Wiederholungen erreicht.

So funktioniert visuelle Kommunikation:

  • Botschaften in möglichste einfachen Bilder transformieren
  • Je nach Botschaft
    • einfache Bilder verwenden (Leitsysteme)
    • oder mit Emotionen aufladen (Werbung)
    • und diese immer und immer wieder zeigen (Wiederholung)

Ich hoffe wieder etwas Klarheit vermitteln zu können, was wir Designer machen und wie dies wirkt.

Eberhard Schorr | Der-Landfotograf | Ihr Fotograf für die Bio-Branche

Videos von der BioFach 2020

Die BioFach ist die Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel und Bio-Landwirtschaft

Gemeinschaftsstand Berlin-Brandenburg auf der BioFach 2020

Die Länder Berlin und Brandenburg stellen ihren Bio-Unternehmen einen Stand auf der BioFach zu Verfügung.
Die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg kurz FÖL organisiert den Stand.
Auf der BioFach 2020 waren es 35 Aussteller, die ihre Bio-Produkte potenziellen Kunden und Partnern präsentieren konnten.

Kurzes Video von der BioFach 2020

Wer einmal kurz Eintauchen möchte ins geschäftige Treiben am Gemeinschaftsstand Berlin-Brandenburg auf der BioFach ist hier genau richtig > Klick und los gehts >

Gemeinschaftsstand der Bio-Unternehmen aus Berlin und Brandenburg | BioFach 2020

SOLAWI SPEISEGUT • CHRISTIAN HEYMANN • ALT-GATOW, BERLIN

Was ist eine Solawi?

„Solawi“ steht für Solidarische Landwirtschaft und ist inzwischen ein sehr populäres Modell um zum einen einen Biohof finanziell abzusichern und zum anderen Kunden und Verbraucher enger – sprich solidarisch – mit dem Erzeuger zu verbinden. Erzeuger und Verbraucher bilden eine Wirtschaftsgemeinschaft, welche auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt ist und die natürliche Mitwelt berücksichtigt.

Neben der Gemüsekiste, die der Bauer direkt an die Haushalte liefert, dem Wochenmarkt oder dem Hofladen hat sich seit den Nullerjahren das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft in Deutschland etabliert. Die Idee dahinter ist es, dass die Kunden quasi Teil des Hofes werden in dem sie monatlich einen Betrag bezahlen und – ganz wichtig – auch mitarbeiten. Dafür bekommen sie vergünstigt Obst und Gemüse.

Biobauer mit viel Engagement

Biobauer Christian Heymann auf dem Feld

Biobauer Christian Heymann

Der Landwirt Christian Heymann (42), der vor sieben Jahren sein Erspartes zusammenkratzte, 2000 Euro waren das, damit das Solawi-Unternehmen „SpeiseGut“ gründete und heute zehn Hektar Land auf verschiedenen Flächen, unter anderem in Alt-Gatow, bewirtschaftet. „Ich bin tief da- von überzeugt, daß der Wert des einzelnen Produktes durch diese Art der Landwirtschaft wieder zum Vorschein kommt,“ beschreibt er seinen Antrieb.

Bewusste Ernährung und selbst mal Bäuerin und Bauer sein zu können.

So unterschiedlich die Leute auch sind, die aktiv mitarbeiten eins verbindet sie alle: sie möchten wissen wo ihre Lebensmittel herkommen.

Portrait von Rena Barghusen, Mitglied bei der Solawi Speisegut

Rena Barghusen

Rena Barghusen, 29 Studentin der Agrarökonomie:
„Hier kann ich nachvollziehen, wie Landwirtschaft funktioniert und mit eigenen Händen anpacken. Ich lerne viele verschiedene Gemüsesorten kennen, erfahre, wie man Schädlinge bekämpft und wenn meine Kiste kommt, experimentiere ich beim Kochen.“

Portrait von Tobias Schlufter, Mitglied von der Solawi Speisegut

Tobias Schlufter

Tobias Schlufter, 25 Software-Entwickler:
„Ich kaufe überall ein, auch beim Discounter – aber das Gemüse frisch vom Feld schmeckt einfach anders, vor allem intensiver. Mir fällt das besonders bei Möhren auf.“

Frau beim Unkraut jäten

Elisabeth Mock

Elisabeth Mock (65) Soziologin:
„Wer braucht Chia-Samen aus China? Ich will Pastinaken aus dem Havelland! Ich sehe die Knochenarbeit, die hinter landwirtschaftlicher Arbeit steckt. Und daß man auch häufiger mal gar nichts erntet. Vor diesem Hintergrund weiß ich die Qualität eines guten regionalen Produkts sehr zu schätzen.“

Frau beim Unkraut jäten

Petra Pankratz

Petra Pankratz (59)
Musiklehrerin und Kirchenmusikerin:
„Wenn ich in meine Gemüsekiste hinein schaue, denke ich jedes Mal: Was schenkt mir das Leben heute? Ich kenne soviele Leute, die schwer krank sind. Was kann ich also tun, um selbst so gesund wie möglich zu leben? Die Antwort: Stress reduzieren, nicht rauchen, keine Drogen, gut schlafen – und bewusst essen. Im Lauf der Zeit sind zum Beispiel Fleisch und Eier immer weniger geworden auf meinem Speiseplan. Mittlerweile bin ich Vegetarierin.“

Junge Frau hält ihre vom Unkraut jäten verschmutzen Hände in die Höhe

Nelly Kewitz

Nelly Kewitz (24)
Studentin der Erziehungswissenschaften:
„Ich bin in einem Jugendverband aktiv und wußte schon seit einem Jahr, daß ich meinen Lebensmitteleinkauf verändern möchte. Ich kaufe nur regionales Obst, am liebsten Märkten und in Bioläden und würde Milchpro- dukte niemals beim Discounter holen, um die Massentierhaltung nicht zu unterstützen. Als ich von Solawi hörte, fand ich das von Anfang an gut – dachte aber nicht, daß das in der Großstadt möglich ist“

Biologische Schädlingsbekämpfung

An dem Tag, an dem ich die Fotos gemacht habe mussten die Wirsing- und Grünkohl Beete von den unerwünschten Kräutern befreit werden. Vorher mussten die Vliese von den Beten genommen werden, die die Kohlpflanzen von den Schädlingen schützen. Kohlfliege, Kohlweißlinge und Kohlmotte haben es auf das Gemüse abgesehen. Sie legen ihre Eier in die Pflanzen ab und der Nachwuchs, sprich die Maden fressen sich durch den Kohl. Die dichten Netze verhindern, dass die Fliegen an den Kohl gelangen; eine rein mechanische Schädlingsbekämpfung oder besser ausgedrückt: Schädlingsabwehr.

Biobauer Christian Heymann zeigt seinen Helfern ein Beikraut

Biobauer und Gründer der Solawi „Speisegut“ Christian Heymann erklärt den Aufbau einer Blüte.

Als Solawi-Bauer muss Christian auch viel Wissen vermitteln und seinen Hilfs-Bäuerinnen und -Bauern auch Arbeitsabläufe beibringen. Die Gruppe hört aufmerksam zu und versucht alles so umzusetzen wie es Christian erklärt.

Es ist Mittagszeit, und alle machen gemeinsam Pause. Sitzen mit erdverkrusteten Schuhen im Schatten unter einem Baum und holen selbst geschmierte belegte Brote, Tomaten und Obst aus ihren Rucksäcken. Schön gesund. Alles andere wäre eine Überraschung. Niemand erklärt sich groß – alle sind aus denselben Gründen dabei. Die gemeinschaftliche Arbeit, der Einsatz für diese eine Idee, verbindet, die Stimmung ist sehr entspannt. Das Ganze hat etwas von bäuerlicher Großfamilien-Romantik. Und so kenne ich es auch aus meinen Kindertagen, als Oma, Opa, Onkels und Tanten alle gemeinsam auf dem Feld gearbeitet haben.

Fotografie 02 • Bildauswahl

Übersicht der Bildauswahl als Bildergalerie

Das Fotografieren als solches – mit der Kamera unterwegs sein und Bilder machen – nimmt im Leben eines Fotografen nur einen kleinen Raum ein. Die Arbeit, die vorab getan werden muss um funktionierende Bilder zu bekommen aber auch vor allem was danach noch an Arbeit auf den Fotografen wartet, dauert meist länger als das eigentliche Fotografieren.

Die Motiv- und Bildauswahl ist mindestens genauso wichtig wie das Fotografieren. Denn gute, überzeugende Fotos können ganz schnell ihre Kraft verlieren, wenn sie nicht passend ausgewählt und ins Layout platziert werden.

Wie sieht nun so ein Ablauf konkret aus. Ein Auftrag gliedert sich in drei Abschnitte:

Briefing – Fotografieren – Bildauswahl

1. Briefing • Fotoreportage Bauernhof

hier geht es um das Thema und welche Motive gebraucht werden um es bebildern zu können. So informiere ich mich vorab über den Bauernhof, die Firma, die Menschen, die dort arbeiten und stelle für mich die Motive zusammen, die ich dann fotografieren möchte. Von Vorteil dabei ist es, dass ich auf einen Bauernhof groß geworden bin und Gärtner gelernt habe. Vieles ist mir bekannt und ich weiß oder kann mir vorstellen, was auf mich zu kommt.

Bei landwirtschaftlichen Themen ist es wichtig zu wissen: es kommt häufig anders als man denkt. Spontanität und Improvisation sind Grundvoraussetzungen sowohl in der Landwirtschaft als auch beim Fotografieren.

2. Fotografieren von Tieren auf einem Bauernhof

Die Technik muss man blind beherrschen, das ist klar. Hinzukommt, dass jeder Fotograf im Laufe der Zeit seine Ausrüstung und die Art zu fotografieren an das Metier anpasst welches er vor allem bearbeitet. So auch ich. Ich arbeite immer mit zwei Kameras um spontan von Weitwinkel auf Tele wechseln zu können. Bislang verwendete ich einen Schultergurt an dem ich links und rechts je eine Kamera hängen hatte. Als ich einmal auf einer Weide kniend eine Herde Ziegen fotografieren wollte griff ich ohne hinzusehen nach der zweiten Kamera. Sie fühlte sich weich und warm an. Auf der Weide standen auch noch Pferde und Kühe.

Eine Ziegenherde zerlegen einen Strohballen, Archehof Gut Falkenhain im Boitzenburger Land

Archehof, Gut Falkenhain, Boitzenburger Land, Brandenburg, Deutschland, DEU, Foto: Eberhard J. Schorr

Es macht schon einiges an Arbeit eine Kamera von einem warmen Kuhfladen zu befreien und dies wollte ich mir zukünftig sparen. Jetzt nutze einen Hüftgürtel für die zweite Kamera, damit diese nicht mehr in Berührung kommen kann mit den Stoffwechselendprodukten von Nutztieren.

3. Bildauswahl • Fotoreportage Bauernhof

Und nun kommt die eigentliche Hauptarbeit, was den Zeitaufwand angeht. Als Beispiel nehme ich die Fotos, die ich auf dem Hof von SpeiseGut, einem Solawi-Hof gemacht habe.

    • Der erste Schritt ist es, alle Bilder auszusortieren, die technische Mängel haben, also unscharf oder verwackelt sind oder wo man vor lauter Fell den Galloway Bullen gar nicht mehr sieht weil wir zu nahe dran waren. Dann wird es schon schwierig. Hier müssen wir unsere Motivliste herausholen und diese mit den gemachten Bildern abgleichen.

Beispiel: Fotos vom Hof SpeiseGut

Wie sieht dieser Ablauf nun konkret aus? Für die Redaktion des Magazins »AufsLand!« vom Berliner Verlag sollte ich Fotos liefern zum Thema Solawi. Solawi bedeutet solidarische Landwirtschaft und ist ein Konzept bei dem die Verbraucher von Bio-Lebensmitteln selbst am Hof mitarbeiten.

Wer mehr erfahren möchte, kann den Artikel auf Wikipedia lesen.

Als Beispiel für Berlin wurde der Bauernhof SpeiseGut von Christian Heymann ausgewählt. Ich besuchte Christian Heymann auf einem der Felder an einem Samstag im September an dem auch Helfer kamen und im Oktober nochmals als die Kartoffelernte stattfand. Es entstanden rund 600 Fotos. Wie oben beschrieben sortierte ich alle aus, die einen technischen Mangel hatten; es blieben noch 427 Bilder übrig.

Bildergalerie von den ausgewählten Fotos zum Artikel Solidarische Landwirtschaft SpeiseGut

Nach einer ersten Auswahl sind noch 427 Bilder übrig • Kartoffelernte • Thema: Solidarische Landwirtschaft • Bio Bauernhof: SpeiseGut, Spandau

Nach welchen Kriterien wähle ich die Fotos von Bauernhof-Reportagen aus?

Als Fotograf kann man der Redaktion keine 427 Bilder schicken; man muss eine Vorauswahl treffen. Dazu gehe ich nach folgenden Punkten vor:

  • Wird im Text auf dieses Motiv eingegangen?
  • Kann es zur Veranschaulichung dienen?
  • Kann als Ergänzung verwendet werden?

Bei unserem Beispiel wären dies alle Porträts, denn die Journalisten Stéphanie Grix hat einige der Helfer interviewt und diese sollen als wörtliche Zitate erscheinen. Wer genau hinsieht, wird merken, dass ich bei den Porträts die Personen mal links, mal rechts gesetzt habe mit viel Umgebung und auch mal formatfüllend. So hat der Layouter die Möglichkeit Text ins Bild setzen zu können, das Foto links oder rechts auf der Seite positionieren zu können oder es eng anzuschneiden.

Dann sind natürlich Totale wichtig, die dem Betrachter einen Überblick vermitteln. Dabei ist besonders auf die Linienführung zu achten und den Goldenen-Schnitt als Gestaltungsmittel zu verwenden. Auch hier ist der Layouter froh, Bilder zu bekommen, die offene, ruhige Bereiche haben in der er Text setzen kann.

Finale Bildauswahl zum Artikel Solidarische Landwirtschaft, Beispiel Solawi Speisegut, Spandau

127 Bilder habe ich an die Redaktion geschickt • Thema: Solidarische Landwirtschaft • Bio Bauernhof SpeiseGut, Spandau

Für die Geschichte selbst aber auch damit der Layouter Varianten zur Hand hat, habe ich Details fotografiert: Sonnenblumen, Gemüsepflanzen auf dem Feld, reifes Gemüse auf einem Holztisch, Arbeitsgeräte, Kartoffelkisten.

Doppelseite eines Artikels zum Thema Solidarische Landwirtschaft im Magazin Aufsland

Bildauswahl und Layout der Redaktion • Thema: Solidarische Landwirtschaft • Bio Bauernhof: SpeiseGut, Spandau

Im finalen Layout findet sich keines dieser letztgenannten Motive. Der Schwerpunkt des Artikels liegt auf den Menschen und Ihrer Arbeit auf dem Feld, was bereits im Titel deutlich wird. »Gemeinsam ackern«.

Als Fotograf muss ich die alle Aspekte eines Themas ablichten

Nichtsdestotrotz, braucht es diese Motive. Als Fotograf muss ich mich in die Lage der Redaktion und der Grafikerin hineinversetzen, die mit meinen Fotos den Artikel bebildern müssen. Eine logische aber auch vielfältige Auswahl an Bildern erleichtert deren Arbeit. Und hier kann ich damit Punkten, dass ich visuelle Kommunikation studiert und als Grafiker in Werbeagenturen gearbeitet habe; ich kenne die Situation gut als Gestalter jetzt nicht das Foto zu haben, das man eigentlich bräuchte um das Layout rund zu bekommen.

Finale Bildauswahl für die Redaktion. 21 Fotos von rund 600 bekommt die Redaktion

21 Bilder blieben von den ursprünglichen rund 600 Fotos übrig. Diese werden von mir einzeln nachbearbeitet. Zum Thema Bildbearbeitung habe ich eine eigene Reihe im Blog verfasst.

Eberhard Schorr | Der-Landfotograf | Ihr Fotograf für die Bio-Branche

Werbung 03 • Wieso Profi-Fotografen keine schönen Fotos machen

Werbung 03 • Wieso Profi-Fotografen keine schönen Fotos machen.

Was man als Student der visuellen Kommunikation sehr schnell lernen muss ist es niemals etwas Schönes zu entwerfen, egal ob als Layouter, Grafiker, Illustrator, Typograf, Fotograf, Webdesigner.

Schöne Dinge kann man sich aufs Regal stellen oder in den Flur, an die Wand hängen oder verschenken, in der visuellen Kommunikation haben sie nichts verloren, denn hier zählt einzig und allein die Funktion.

Wenn Sie eine Webseite haben möchten, oder zur ihrer Hochzeit einladen wollen, wenn Sie eine Visitenkarte brauchen oder Porträts, wenn Sie einen Flyer verteilen wollen; … soll die Webseite, die Einladungskarte, Visitenkarte, die Porträts oder der Flyer schön aussehen oder sollen sie funktionieren? Gewinnt man einen Kunden weil man einen schönen Flyer hat oder weil der Flyer genau das vermitteln kann, was der Kunde sucht?

Müssen nicht all diese Dinge eine Funktion erfüllen, haben sie nicht eine Aufgabe?

Es gilt: Form > Follows > Function

Am Beginn steht die Funktion und daraus ergibt sich die Form. Die Frage, die wir Gestalter als Erstes zu klären haben ist: was ist das Ziel, was soll mit dem Foto, dem Layout, der Webseite, dem Porträt erreicht werden; wer ist der Betrachter, welche Erwartungen hat er, in was für einen Kontext steht das Porträt, das Foto, die Grafik?

Diese Fragen müssen zuerst geklärt werden und dann entwerfen wir Gestalter respektive Designer ein Layout, ein Bildkonzept.

Anders formuliert, der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Ergo muss man den Fisch gut kennen um den passenden Köder aussuchen zu können.

Ein Foto ist wie ein Zahnrad

es muss in der Maschine seine Funktion erfüllen können, ansonsten wird unsere visuelle Darstellung nicht oder sogar falsch verstanden.

Ich weiß, es gibt viele, die mit viel Hingabe fotografieren, die auch ganz tolle und beeindruckende Bilder machen, deren Fotos auch über Bildagenturen verkauft und veröffentlicht werden. Und die Hobby-Fotografen und Quereinsteiger liefern auch eine hohe Qualität ab – ABER – wenn diese Fotos in einem professionellen Umfeld genutzt werden, dann sitzt da jemand, der von Bildsprache, Gestaltung, Kontext, visueller Kommunikation eine Ahnung hat. Und der oder die haben das Foto unseres Hobby-Fotografen ausgewählt, weil es in das Produkt (Flyer, Webseite, Artikel, …) gerade passt.

Aber wäre unser Hobby-Fotograf auch in der Lage die Motive zu liefern, wenn die Bildredakteurin, der Art-Direktor, die Journalistin ihm ein Briefing gibt und er losziehen muss um die notwendigen Motive zu fotografieren?

Vom 25. bis 27. Mai 2018 halte ich einen Workshop im Kloster Plankstetten zu genau diesem Thema:

Journalistisches Fotografieren – Ziel des Kurses ist es, die notwendigen Motive zu finden um einen Artikel, einen Blog oder eine Webseite bebildern zu können. Link

»Kontext« und »Funktion« sind die Schlüsselbegriffe.

Ein Foto, ein Film, eine Grafik stehen nie alleine, sie sind eingebunden in ein Layout, eine Webseite, einem Artikel, einen Flyer, einer Broschüre. Und sie müssen in der Lage sein den Sinn und Zweck einer Firma, eines Verbandes, eines Mitarbeiters, eines Produktes, einer Dienstleistung zu vermitteln. Und sie müssen diese Funktion an genau dieser Stelle erfüllen können.

Damit dies gelingt, braucht es jemanden, der weiß was er tut und dies lernt man als Designer der visuellen Kommunikation. Im Laufe des Studiums legt man sich auf einen Schwerpunkt fest wie Grafik, Fotografie, Typografie, Video, Illustration, Webdesign fest aber kennt alle anderen Bereiche auch.

Wie man über Nacht ein Biobauer wird.

Wenn ich mal im Lotto gewinne, dann kauf ich mir einen Bauernhof, hol mir den besten Traktor, lass mir Top-Ställe für Kühe, Schafe und Ziegen hinstellen mit allem technischen Gedöns was der Markt so hergibt. Kauf mir Land mit einer Ackerzahl nicht unter 110 und hol mir bestes Saatgut und schon bin ich über Nacht ein Top Bio-Bauer, weil ich ja alles nur vom feinsten habe.

Das geht nicht? Oh, in der Fotografie passiert das ständig, meist über die Weihnachtszeit oder beim Geburtstag. 😉

Eberhard J. Schorr – der-landfotograf.de

Herdenschutzhunde • Schäferei Jürgen Körner • Jüterbog, Brandenburg

Im Februar 2017 besuchte ich den Schäfer Jürgen Körner in Jüterbog südlich von Berlin. Um seine Herden vor dem Wolf zu schützen züchtet er seit rund elf Jahren Herdenschutzhunde. 23 Pyrenäenberghunde stehen bereit um die Schafe zu verteidigen.

Schutz vor Wölfen

Und das machen sie richtig gut; bisher hat Herr Körner noch keine Verluste beklagen müssen. Pro Herde setzt er drei Hunde ein, die diese vor allem nachts bewachen.

Doppelseite eines Artikels über Herdenschutzhunde im Magazin Aufs Land

Jürgen Körner mit zwei seinen Herdenschutzhunden und seinem Hütehund (vorne, der klein schwarze Hund) • Aufmacher – Herdenschutzhunde in Brandenburg für AufsLand! BerlinerVerlag

Zugegebenermaßen hatte ich etwas Bammel als ich nach Jüterbog fuhr. Herdenschutzhund klingt für mich doch sehr – äh? – überzeugend. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Die Hunde sind überhaupt nicht aggressiv (was ich befürchtet hatte), kläffen nicht und sind, solange Herrchen dabei ist, sehr zutraulich.

Große Hunde, die beeindruckend Bellen können

Wie man auf den Bildern sehen kann, sind sie sehr groß und, was man nicht sehen kann, sie haben ein überzeugendes Organ. Wenn ein solcher Hund bellt, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat.

aufgeschlagene Doppelseite eines Artikels über Herdenschutzhunde

Der Schäfer Jürgen Körner mit einem seiner Herdenschutzhunde, die recht groß sind – sein müssen. • Doppelseite – Herdenschutzhunde in Brandenburg für AufsLand! BerlinerVerlag

Zuerst waren wir bei den Ställen, die direkt am Rande von Jüterbog liegen. Die Hunde werden als Welpe schon bei den Herden gehalten. So gewöhnen sich Schaf und Hund aneinander und der Hund weiß, wen er zu verteidigen hat.

Sobald ich auf einen der Pferche zuging, sprang einer der Hunde auf und lief auf mich zu. Aber eben nicht aggressiv, er bellte nicht einmal, sondern wollte eben sehen, wer da kommt und ob ich eine Gefahr für seine Herde sein könnte.

Als dann Herr Körner mit dazu kam, trottete er auch schon wieder zu den Schafen zurück und legte sich hin.

Die Hunde passen gut auf ihre Schafherde auf

Später fuhren wir zu einer seiner Herden auf die Weide, die tagsüber von einem Schäfer begleitet werden. Nachts halten drei Hunde Wache. Als wir ankamen, kamen die Hunde gleich auf Herrn Körner zu gesprungen und freuten sich sehr.

Als die Dämmerung hereinbrach und ich nicht mehr fotografieren konnte, packte ich meine Sachen ins Auto; das dauert immer etwas bis ich alle Linsen, Kameras, Gurte und sonstiges Gedöns verpackt habe. Die beiden Schäfer waren schon fortgefahren. Ich war also alleine. Und obwohl ich doch sehr weit von der Herde weg war und ich mit dem Rücken zu ihnen stand, kamen zwei der drei Hunde zu mir gelaufen und haben beobachtet, was ich da so mache.

Die Hunde sind sehr wachsam, es entgeht ihnen nichts.

Doppelseite - Herdenschutzhunde in Brandenburg für AufsLand! BerlinerVerlag

Die Hunde sind schon als Welpen bei den Schafen, so gewöhnen sich beide Tierrassen aneinander. • Doppelseite – Herdenschutzhunde in Brandenburg für AufsLand! BerlinerVerlag

Herdenschutzhunde sind friedlich – solange man nicht ihrer Herde zu nahe kommt

Ich habe zwar geschrieben, dass die Hunde nicht aggressiv sind, aber es ist jedem anzuraten einen großen Bogen um die Hunde herum zu machen, wenn man ihnen begegnet und sie zu bellen beginnen.

In der Schweiz werden schon länger Herdenschutzhunde eingesetzt. Es gibt einen kurzen Film, in dem erklärt wird, wie man sich verhalten soll, trifft man auf Herdenschutzhunde.

Und was ist nun der Unterschied zu Hütehunden?

Hütehunde passen auf, dass die Herde zusammenbleibt und treiben diese auf den Schäfer zu. Während Hütehunde vom Menschen gesagt bekommen, was zu tun ist, arbeitet der Herdenschutzhund autonom.

Bildbearbeitung 03 • selektive Anpassungen

Die Kameraautomatik kann vieles aber nicht alles

Wie im vorherigen Beitrag schon erläutert, belichtet die Kamera so, wie es ihr von den Programmen vorgegeben wird. Helligkeit, Kontrast, Weißabgleich (Farbton) wird von einer Software gesteuert. Wenn die Konstraste nicht zu stark sind und die Lichtquelle von schräg hinten leuchtet, dann liefert die Automatik der Kamera gut Ergebnisse. Wenn eine Belichtung technisch gut ist, heißt das noch lange nicht, dass sie unser Motiv so wiedergibt, wie wir es gerne hätten (Bildaussage).

Ebenso kann die Kamerasoftware nicht wissen, was unser eigentliches Motiv ist und vor allem, worauf unser Fokus lag, welchen Eindruck wir hatten und was wir dem Betrachter vermitteln wollen.

Hinzu kommt noch die technischen Parameter, die zu beachten sind vor allem dann, wenn das Bild gedruckt werden soll und darauf möchte ich heute näher eingehen

Die Unterschiede zwischen unserem Auge und der Kameralinse

Unserer Augen passen sich sofort den unterschiedlichen Lichtsituationen an. Wird es hell schließt sich die Iris und die Pupille wird kleiner. Blicken wir in eine dunkle Ecke, so öffnet sich die Pupille und es kann mehr Licht einfallen.

Schauen wir uns ein schwarzes Galloway-Rind an, so öffnet sich unsere Pupille soweit, dass wir das Fell erkennen können. Fällt unser Blick auf ein rosa Schweinchen, so schließt die Iris sich und wir erkennen auch hier die Borsten und können Haut von Haar unterscheiden. Dies geschieht in Bruchteilen von Sekunden.

Machen wir nun ein Foto auf dem das schwarzen Galloway und unser Schwein drauf soll, so muss die Kamera eine Belichtungszeit wählen. Und dies kann so kurz sein, dass wir das Schwein gut erkennen können, dafür wird aber das Rind zu dunkel oder der Betrachter kann die Haare vom Fell des Rindes sehen, aber das Schwein wird zu einer weißen Fläche.

Und an der Stelle muss dann der Fotograf am Rechner dies ausgleichen. D. h. wenn das Schwein gut zu erkennen ist, muss er das Rind aufhellen bzw. das Borstentier abdunkeln. Und dies haben wir Fotografen schon immer so gemacht – damals eben im Labor.

Unser Motiv heute ist eine Gruppe von Absetzern, die auf Strohballen spielen, anhand dessen ich die selektive Bearbeitung von zu hellen und zu dunklen Parteien zeigen möchte.

zwei Bilder stehen gegenüber, das eine ist unbearbeitet das andere wurde selektiv nachbearbeitet

rechts: so kam das Foto aus der Kamera, links: das Bild nach der selektiven Bearbeitung

zwei Schweine stehen im Schatten eines Strohballens

Hier ein Ausschnitt: An dieser Stelle ist zwar technisch gesehen alles o.k. Allerdings ist nur schwer zu erkennen was die Beiden da machen.

Der Schattenbereich des Fotos (zwei Schweine stehen im Schatten eines Strohballens) ist nun selektiv aufgehellt worden

Macht man nun das ganze Bild heller, so wird diese Stelle auch heller, nur der Rücken vom Schweinchen rechts wird zu hell. Es entsteht eine weiße Fläche – dies gilt es zu vermeiden.

nach der selektiven Bearbeitung des Motivs (zwei Schweine stehen im Schatten eines Strohballens) kann man die Schweine besser erkennen

Den Rücken vom Schweinchen rechts habe ich selektiv nachbelichtet. Wie das geht zeige ich im Film.

Vielen Dank für das Interesse und dem Besuch auf meiner Webseite.

Mein Anliegen ist es, die Arbeit des Fotografen transparenter zu machen ohne zu Tief ins Fachliche abzugleiten. Schwerpunkt ist die Bio-Landwirtschaft.

Über Fragen, Kritik und Anregungen freue ich mich.

Eberhard Schorr – Der Fotograf für die Bio-Branche

Bildbearbeitung 02 • Am Beispiel vom Foto von Eber Siggi

Weshalb muss ein Foto bearbeitet werden?

Für einen Fotografen ist ein Bild, das aus der Kamera kommt noch lange kein Foto; es ist eine Belichtung.

Durch die Bildbearbeitung entsteht erst das Foto

Die Kamera kann nicht wissen, was dem Fotografen wichtig ist, sie belichtet nach Vorgaben, die ihr ein Ingenieur einprogrammiert hat. (Außer der Fotograf belichtet komplett manuell) und selbst wenn ich manuell alles einstelle, so wird eben der komplette Sensor/Dia/Negativ auf einmal belichtet.
Doch häufig ist es so, dass mir ein Bildteil besonders wichtig ist ein anderer soll eher zurückgenommen werden. Mit der Bearbeitung der Bilder am Rechner (früher im Labor) führe ich das Auge des Betrachters dorthin wo ich sage: dies ist mein eigentliches Motiv, das soll optisch hervorgehoben werden.
Neben dem inhaltlichen Schwerpunkt, den ich bei der Bearbeitung setzen kann gibt es noch die technischen Parameter, die zu berücksichtigen sind.
Soll das Foto später gedruckt werden ist es sinnvoll bei der Bearbeitung die Vorgaben für einen Druck zu berücksichtigen (z. B. Gesamtfarbauftrag)

Wie ich das Foto vom Eber Siggi bearbeite

Für die Bio-Bauern Clemens und Axel vom Sauenhain-Potsdam habe ich Fotos von ihren Schweinen gemacht. Hier eines vom Eber Siggi.

Gleich zu Beginn sieht man, dass der automatische Weißabgleich (das ist der Farbton, der die Kamera dem Bild zuweist) viel zu kühl ist. Dies muss ich ausgleichen.

Dann wirkt das Foto (wie fast immer) zu flach. Umgebung und der Eber trennen sich optisch nicht genügend. So mache ich den Hinter- und Vordergrund dunkler und den Eber kontrastreicher.

Zudem sind die hellen Stellen auf seiner linken Flanke zu hell; bei einem Druck gäbe es eine weiße Stelle, die man vermeiden möchte, denn dadurch verliert das Bild an Plastizität und es fehlt an Information.

Bildbearbeitung ist keine Manipulation

Das hat alles nichts mit Manipulation zu tun, wie man ab und an hören kann, sondern ich lege bei der Bearbeitung fest, was ich gesehen habe. Und in diesem Fall war es der Eber Siggi, der auf mich zu gerannt kam. Ergo muss ich die Bildteile so behandeln, dass dies auch für einen Betrachter nachvollziehbar wird.

Mein Anliegen ist es, die Arbeit des Fotografen transparenter zu machen ohne zu Tief ins Fachliche abzugleiten. Schwerpunkt ist die Bio-Landwirtschaft.

Über Fragen, Kritik und Anregungen freue ich mich.

Eberhard Schorr – Der Fotograf für die Bio-Branche

Jagdglück • Wie ich meinen ersten Keiler erlegte • 01. April

Der Landfotograf kniet bei einem ausgewachsenen lebenden Keiler

Diesen Keiler habe ich erlegt – ganz ohne Gewehr!

Am vergangenen Freitag war ich zum ersten Mal bei einer Jagd mit dabei, und weil ich ja noch ein Frischling war durfte ich nicht schießen, sondern musste so ganz ohne Jagdwaffe losziehen.
Normalerweise bringen die Greenhorns dann Kröten mit, fangen mal eine Eidechse oder einen Igel oder, wenn es ganz blöd läuft, nur eine totgeschlagene Stechmücke.

Ich hatte großes Glück! Mir lief ein fulminanter Keiler über den Weg.

In Ermangelung eines Jagdgewehres musste ich mir etwas anders überlegen wie ich den Eber zur Strecke zu bringen.
Als er auf seiner Flucht vor den Treibern kurz vor mir nach rechts abdrehte, packte ich seine Hinterläufe und nutze den Schwung wie ein Judoka um den Schwarzkittel auf die Seite zu legen. Bums, 170 kg lagen flach.

Der Landfotograf streichelt einen Keiler

Wie man sieht, der Eber lebt – beide Eber leben!

Geistesgegenwärtig sprang ich zum Kopf des Tieres und drückte mit meinem Knie seine Halsschlagader ab bis es bewusstlos liegen blieb und keinen Zuckerer mehr machte.
Gottseidank kam auch justament eine der Treiberinnen zum Kampfplatz und konnte mich und meine Jagdbeute fotografisch festhalten. (siehe Bild)

Nahaufnahme vom Kopf des lebenden Keilers

Ein Ausschnitt vom obigen Foto auf dem man sehen kann, dass der Keiler lebendig ist.

Da kein Jäger mit Gewehr in der Nähe war und ich nicht ewig den Keiler im Schwitzkasten halten konnte, ließ ich von ihm ab und er berappelte sich wieder; so ein Eber ist ja hard im Nehmen.
Mit einem großen Hallali wurde mein erster Jagderfolg am Abend gewürdigt. Es gab auch noch eine mündliche Prüfung und bei der habe ich im Fach Jägerlatein eine glatte 1+ bekommen.

Was ein Tag!

Ein ausgewachsener Keiler

Alles Gute Dir!

Werbung 02 • Werbung ist noch mehr

Vorab noch, diese Reihe will keine vollständige, didaktisch aufbereitete Anleitung zum Thema: Werbung in der Bio-Branche sein. Ich sammle hier meine Gedanken und Erfahrungen und möchte damit all jenen Hinweise, Tipps und Anregung geben, die als Bio-Bauer, Hofladenbetreiberin oder Händler sich mit dem Thema auseinandersetzen. Somit sind eigene Erfahrungen, Ergänzungen und Hinweise ausdrücklich erwünscht.

Was ist denn eigentlich »Werbung«?

Bei meinen vielen Gesprächen mit Bäuerinnen und Bauern, Ladenbetreibern und Händlern kommt man oft auf das Thema „Werbung“ zu sprechen. Mein Fazit aus all den Gesprächen ist, dass „Werbung“ viel zu eng verstanden wird. Ich setze auch deshalb »Werbung« in Anführungszeichen, denn eigentlich geht es immer um die Außendarstellung des Betriebes und diese umfasst mehr als „nur“ Werbung zu machen.

Schauen wir uns an, was »Werbung« alles umfasst

Als Erstes denkt jeder bei »Werbung« an den Verkauf von Produkten und der Gewinnung von Kunden. Das stimmt so, ist aber nur ein kleiner Teil davon was mit Werbung erreicht wird. Was wir für Produkte haben und verkaufen wollen ist im Bereich der Biolandwirtschaft sehr klar und eindeutig. Aber schon bei den Kunden sieht es anders aus.

Welche Kunden wollen wir erreichen?

Kunde ist nicht gleich Kunde. Es gibt den treuen Bestandskunden, den Käufer, der ab und an vorbeikommt und es gibt die Neukunden, die wir erst noch gewinnen müssen. Somit sollte man, bevor man »Werbung« macht, sich fragen: welchen Kunden möchte ich erreichen? Dies ist wichtig, denn hier kann man große Fehler machen.

Ein Beispiel, das wohl jeder kennt. Wer Bestandskunde bei einem Mobilfunk- oder Internet-Anbieter ist hat wenig Vorteile. Gibt es Preissenkungen oder Angebote gelten die meist nur für NEU-Kunden. Treue Kunden werden derzeit nicht belohnt. Was macht man dann als Bestandskunde – man wechselt den Anbieter. Dies ist für beide Seiten blöde – wir müssen kündigen, neuen Anbieter suchen, bestellen, dann mit den Problemen bei der Umstellung kämpfen und unser alter Anbieter verliert einen Kunden und hat den Verwaltungsaufwand mit der Kündigung.

Mir scheint, die Mobilfunk- und Internet-Branche hat noch nicht verstanden, dass der Markt verteilt ist und es kaum noch Leute gibt, die kein Mobiltelefon oder Internet-Anschluss haben. Eigentlich wäre es jetzt wichtig, den Bestandskunden immer wieder Angebote zu machen, damit sie bleiben, denn dies macht weniger Aufwand als die mühselige Neukunden Akquise. Diese Überlegung würde ich auch allen Hof- und Bioladen Betreibern empfehlen.

Wie ist mein Kundenstamm aufgebaut?

Habe ich viele treue Bestandskunden oder erziele ich Umsatz durch wechselnde Laufkundschaft oder brauche ich neue Kunden? Will ich meine Kunden für ihre Treue belohnen oder muss ich mein Angebot weiter bekannt machen, damit ich neue Kunden erreiche.

Denn erst dann, wenn ich weiß, wen ich ansprechen will, kann ich entsprechend Werbung machen.

Aber Werbung wirkt viel weiter als nur auf bestehende oder neue Kunden. Darauf gehe ich im nächsten Blog-Beitrag ein.