SOLAWI SPEISEGUT • CHRISTIAN HEYMANN • ALT-GATOW, BERLIN

Was ist eine Solawi?

„Solawi“ steht für Solidarische Landwirtschaft und ist inzwischen ein sehr populäres Modell um zum einen einen Biohof finanziell abzusichern und zum anderen Kunden und Verbraucher enger – sprich solidarisch – mit dem Erzeuger zu verbinden. Erzeuger und Verbraucher bilden eine Wirtschaftsgemeinschaft, welche auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt ist und die natürliche Mitwelt berücksichtigt.

Neben der Gemüsekiste, die der Bauer direkt an die Haushalte liefert, dem Wochenmarkt oder dem Hofladen hat sich seit den Nullerjahren das Prinzip der solidarischen Landwirtschaft in Deutschland etabliert. Die Idee dahinter ist es, dass die Kunden quasi Teil des Hofes werden in dem sie monatlich einen Betrag bezahlen und – ganz wichtig – auch mitarbeiten. Dafür bekommen sie vergünstigt Obst und Gemüse.

Biobauer mit viel Engagement

Biobauer Christian Heymann auf dem Feld

Biobauer Christian Heymann

Der Landwirt Christian Heymann (42), der vor sieben Jahren sein Erspartes zusammenkratzte, 2000 Euro waren das, damit das Solawi-Unternehmen „SpeiseGut“ gründete und heute zehn Hektar Land auf verschiedenen Flächen, unter anderem in Alt-Gatow, bewirtschaftet. „Ich bin tief da- von überzeugt, daß der Wert des einzelnen Produktes durch diese Art der Landwirtschaft wieder zum Vorschein kommt,“ beschreibt er seinen Antrieb.

Bewusste Ernährung und selbst mal Bäuerin und Bauer sein zu können.

So unterschiedlich die Leute auch sind, die aktiv mitarbeiten eins verbindet sie alle: sie möchten wissen wo ihre Lebensmittel herkommen.

Portrait von Rena Barghusen, Mitglied bei der Solawi Speisegut

Rena Barghusen

Rena Barghusen, 29 Studentin der Agrarökonomie:
„Hier kann ich nachvollziehen, wie Landwirtschaft funktioniert und mit eigenen Händen anpacken. Ich lerne viele verschiedene Gemüsesorten kennen, erfahre, wie man Schädlinge bekämpft und wenn meine Kiste kommt, experimentiere ich beim Kochen.“

Portrait von Tobias Schlufter, Mitglied von der Solawi Speisegut

Tobias Schlufter

Tobias Schlufter, 25 Software-Entwickler:
„Ich kaufe überall ein, auch beim Discounter – aber das Gemüse frisch vom Feld schmeckt einfach anders, vor allem intensiver. Mir fällt das besonders bei Möhren auf.“

Frau beim Unkraut jäten

Elisabeth Mock

Elisabeth Mock (65) Soziologin:
„Wer braucht Chia-Samen aus China? Ich will Pastinaken aus dem Havelland! Ich sehe die Knochenarbeit, die hinter landwirtschaftlicher Arbeit steckt. Und daß man auch häufiger mal gar nichts erntet. Vor diesem Hintergrund weiß ich die Qualität eines guten regionalen Produkts sehr zu schätzen.“

Frau beim Unkraut jäten

Petra Pankratz

Petra Pankratz (59)
Musiklehrerin und Kirchenmusikerin:
„Wenn ich in meine Gemüsekiste hinein schaue, denke ich jedes Mal: Was schenkt mir das Leben heute? Ich kenne soviele Leute, die schwer krank sind. Was kann ich also tun, um selbst so gesund wie möglich zu leben? Die Antwort: Stress reduzieren, nicht rauchen, keine Drogen, gut schlafen – und bewusst essen. Im Lauf der Zeit sind zum Beispiel Fleisch und Eier immer weniger geworden auf meinem Speiseplan. Mittlerweile bin ich Vegetarierin.“

Junge Frau hält ihre vom Unkraut jäten verschmutzen Hände in die Höhe

Nelly Kewitz

Nelly Kewitz (24)
Studentin der Erziehungswissenschaften:
„Ich bin in einem Jugendverband aktiv und wußte schon seit einem Jahr, daß ich meinen Lebensmitteleinkauf verändern möchte. Ich kaufe nur regionales Obst, am liebsten Märkten und in Bioläden und würde Milchpro- dukte niemals beim Discounter holen, um die Massentierhaltung nicht zu unterstützen. Als ich von Solawi hörte, fand ich das von Anfang an gut – dachte aber nicht, daß das in der Großstadt möglich ist“

Biologische Schädlingsbekämpfung

An dem Tag, an dem ich die Fotos gemacht habe mussten die Wirsing- und Grünkohl Beete von den unerwünschten Kräutern befreit werden. Vorher mussten die Vliese von den Beten genommen werden, die die Kohlpflanzen von den Schädlingen schützen. Kohlfliege, Kohlweißlinge und Kohlmotte haben es auf das Gemüse abgesehen. Sie legen ihre Eier in die Pflanzen ab und der Nachwuchs, sprich die Maden fressen sich durch den Kohl. Die dichten Netze verhindern, dass die Fliegen an den Kohl gelangen; eine rein mechanische Schädlingsbekämpfung oder besser ausgedrückt: Schädlingsabwehr.

Biobauer Christian Heymann zeigt seinen Helfern ein Beikraut

Biobauer und Gründer der Solawi „Speisegut“ Christian Heymann erklärt den Aufbau einer Blüte.

Als Solawi-Bauer muss Christian auch viel Wissen vermitteln und seinen Hilfs-Bäuerinnen und -Bauern auch Arbeitsabläufe beibringen. Die Gruppe hört aufmerksam zu und versucht alles so umzusetzen wie es Christian erklärt.

Es ist Mittagszeit, und alle machen gemeinsam Pause. Sitzen mit erdverkrusteten Schuhen im Schatten unter einem Baum und holen selbst geschmierte belegte Brote, Tomaten und Obst aus ihren Rucksäcken. Schön gesund. Alles andere wäre eine Überraschung. Niemand erklärt sich groß – alle sind aus denselben Gründen dabei. Die gemeinschaftliche Arbeit, der Einsatz für diese eine Idee, verbindet, die Stimmung ist sehr entspannt. Das Ganze hat etwas von bäuerlicher Großfamilien-Romantik. Und so kenne ich es auch aus meinen Kindertagen, als Oma, Opa, Onkels und Tanten alle gemeinsam auf dem Feld gearbeitet haben.

Herdenschutzhunde • Schäferei Jürgen Körner • Jüterbog, Brandenburg

Im Februar 2017 besuchte ich den Schäfer Jürgen Körner in Jüterbog südlich von Berlin. Um seine Herden vor dem Wolf zu schützen züchtet er seit rund elf Jahren Herdenschutzhunde. 23 Pyrenäenberghunde stehen bereit um die Schafe zu verteidigen.

Schutz vor Wölfen

Und das machen sie richtig gut; bisher hat Herr Körner noch keine Verluste beklagen müssen. Pro Herde setzt er drei Hunde ein, die diese vor allem nachts bewachen.

Doppelseite eines Artikels über Herdenschutzhunde im Magazin Aufs Land

Jürgen Körner mit zwei seinen Herdenschutzhunden und seinem Hütehund (vorne, der klein schwarze Hund) • Aufmacher – Herdenschutzhunde in Brandenburg für AufsLand! BerlinerVerlag

Zugegebenermaßen hatte ich etwas Bammel als ich nach Jüterbog fuhr. Herdenschutzhund klingt für mich doch sehr – äh? – überzeugend. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Die Hunde sind überhaupt nicht aggressiv (was ich befürchtet hatte), kläffen nicht und sind, solange Herrchen dabei ist, sehr zutraulich.

Große Hunde, die beeindruckend Bellen können

Wie man auf den Bildern sehen kann, sind sie sehr groß und, was man nicht sehen kann, sie haben ein überzeugendes Organ. Wenn ein solcher Hund bellt, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat.

aufgeschlagene Doppelseite eines Artikels über Herdenschutzhunde

Der Schäfer Jürgen Körner mit einem seiner Herdenschutzhunde, die recht groß sind – sein müssen. • Doppelseite – Herdenschutzhunde in Brandenburg für AufsLand! BerlinerVerlag

Zuerst waren wir bei den Ställen, die direkt am Rande von Jüterbog liegen. Die Hunde werden als Welpe schon bei den Herden gehalten. So gewöhnen sich Schaf und Hund aneinander und der Hund weiß, wen er zu verteidigen hat.

Sobald ich auf einen der Pferche zuging, sprang einer der Hunde auf und lief auf mich zu. Aber eben nicht aggressiv, er bellte nicht einmal, sondern wollte eben sehen, wer da kommt und ob ich eine Gefahr für seine Herde sein könnte.

Als dann Herr Körner mit dazu kam, trottete er auch schon wieder zu den Schafen zurück und legte sich hin.

Die Hunde passen gut auf ihre Schafherde auf

Später fuhren wir zu einer seiner Herden auf die Weide, die tagsüber von einem Schäfer begleitet werden. Nachts halten drei Hunde Wache. Als wir ankamen, kamen die Hunde gleich auf Herrn Körner zu gesprungen und freuten sich sehr.

Als die Dämmerung hereinbrach und ich nicht mehr fotografieren konnte, packte ich meine Sachen ins Auto; das dauert immer etwas bis ich alle Linsen, Kameras, Gurte und sonstiges Gedöns verpackt habe. Die beiden Schäfer waren schon fortgefahren. Ich war also alleine. Und obwohl ich doch sehr weit von der Herde weg war und ich mit dem Rücken zu ihnen stand, kamen zwei der drei Hunde zu mir gelaufen und haben beobachtet, was ich da so mache.

Die Hunde sind sehr wachsam, es entgeht ihnen nichts.

Doppelseite - Herdenschutzhunde in Brandenburg für AufsLand! BerlinerVerlag

Die Hunde sind schon als Welpen bei den Schafen, so gewöhnen sich beide Tierrassen aneinander. • Doppelseite – Herdenschutzhunde in Brandenburg für AufsLand! BerlinerVerlag

Herdenschutzhunde sind friedlich – solange man nicht ihrer Herde zu nahe kommt

Ich habe zwar geschrieben, dass die Hunde nicht aggressiv sind, aber es ist jedem anzuraten einen großen Bogen um die Hunde herum zu machen, wenn man ihnen begegnet und sie zu bellen beginnen.

In der Schweiz werden schon länger Herdenschutzhunde eingesetzt. Es gibt einen kurzen Film, in dem erklärt wird, wie man sich verhalten soll, trifft man auf Herdenschutzhunde.

Und was ist nun der Unterschied zu Hütehunden?

Hütehunde passen auf, dass die Herde zusammenbleibt und treiben diese auf den Schäfer zu. Während Hütehunde vom Menschen gesagt bekommen, was zu tun ist, arbeitet der Herdenschutzhund autonom.