Werbung 04 • Was macht eigentlich ein Kommunikationsdesigner?

Hinweisschild WC mit Pfeil

Meine Berufsbezeichnung ist Diplom Designer (FH).

Weil ich schon weiß, dass dann die meisten denken ich entwerfe irgendwelche Designer Möbel oder schicke Kugelschreiber, sag ich dann gleich immer meine Fachrichtung dazu:

visuelle Kommunikation – und da kommt dann zurück: »Ah, du entwirfst Telefone!«

Nein.

Was für Arten von Kommunikation gibt es denn?

Die verbale Kommunikation, die gibt es einmal in einer mündlichen Variante und in einer schriftlichen. Dann gibt es die nonverbale Kommunikation und eben die visuelle Kommunikation.

Die verbale Art wird von Textern, Schauspielern, Journalisten, Schriftstellern, Moderatoren (und -Innen) verwendet.

Bei der  nonverbalen Kommunikation sind die Pantomimen die absoluten Profis und wir Leihen machen es auch ständig und immer, aber meist unbewusst. Was dann ab und an zu Missverständnissen führen kann. Andere Länder andere Gesten, ich hatte das Glück in Italien mein Praktikum zu absolvieren und da war es unerlässlich »Il linguaggio dei gesti« zu lernen.

Ja und dann gibt es die visuelle Kommunikation – da bin ich Chefe!

Was macht also ein Kommunikationsdesigner mit der Fachrichtung »visuelle Kommunikation«?

Visuelle Kommunikation transformiert eine Botschaft in ein Bild.

Ziel ist es, die Botschaft möglichst schnell an den Empfänger zu übermitteln.

Ein Beispiel in Sachen Kommunikation: verbal und visuell

Zuerst die Botschaft einer schriftlichen Variante.

»Verehrter Besucher unserer Einrichtung. Wir freuen uns sehr sie in unseren Räumen begrüßen zu dürfen. Bevor sie sich in die Räume begeben, möchten sie vielleicht nochmals eine Toilette aufsuchen oder auch während ihres Besuches diesen Ort auffinden. Mit diesem kurzen Text möchten wir sie dabei unterstützen, wie sie zu den Toiletten gelangen können. Fangen wir an. Wenn Sie unser Gebäude vom Haupteingang von der Goethe Straße aus betreten haben und nicht vom Seiteneingang von der Schiller Straße, dann sehen sie rechts den Empfang und gerade aus eine kleine Treppe, die sie in das etwas höher gelegene Erdgeschoss bringt. Hier angekommen öffnet sich beidseitig der Zugang zu je einem Gang; vor ihnen liegt das Treppenhaus. Nun gehen sie nach rechts in den Gang. Hier reihen sich zu beiden Seiten die Verwaltungsbüros. Diesen Gang gehen sie bis zum Ende durch. Dort wenden sie sich nach rechts. Sie erblicken dort zwei Türen, die, entgegen zu den Türen für die Büros nicht aus dunklem Holz, sondern mit weißem Kunststoff beschichtet sind. Die linke Türe führt zu den Toiletten, die den Damen vorbehalten ist, die rechte Türe führt in die Männertoilette. Wir hoffen unsere kurze Anleitung, wie sie zu den Toiletten finden, hat ihnen geholfen. Wir freuen uns sie wieder alsbald begrüßen zu dürfen.«

Und hier die visualisierte Botschaft:

Hinweisschild WC mit Pfeil

Icon WC für Damen und Herren

Selbstverständlich könnte man den Text auch kürzer fassen. Dann wäre darüber nachzudenken, in welchen Sprachen dieser übersetzt werden müsste. 🙂

Das geschriebene Wort zur Vermittlung von Botschaften ist suboptimal.

Wir lernen: Kommunikationsdesigner arbeiten daran Botschaften so zu visualisieren, dass sie möglichst schnell vermittelt wird und der Empfänger diese auch schnell verstehen kann.
Zugrunde liegen hier Zeichen und Bilder, die oft über kulturelle Grenzen hinweg verstanden werden. Daher ist zu überlegen, wer alles die Botschaft empfangen kann. Für ein Gebäude, das auch von vielen ausländischen Besuchern aufgesucht wird, wären in dem Falle Icons zu verwenden, die auch zum Beispiel Asiaten verstehen.

Und dies ist die bessere Lösung als die erste mit dem Schild: »WC«
Icons für Damen und Herren Toiletten

Viele Icons verstehen die Menschen über kulturelle Grenzen hinaus

Icons Leitsystem zu den Toiletten

Wichtig bei Leitsystemen durchgehend dieselben Icons und denselben Stil zu verwenden

Text und Bilder. Wie unser Gehirn arbeitet.

Wir haben gesehen, dass einfache Zeichen eine Botschaft viel schneller vermitteln können, als dies ein Text kann.

Prospekte von Supermärkten auf einem Haufen

Wieso geben die Firmen soviel Geld für buntbedrucktes Papier aus?

Aber auch Fotos werden von unseren grauen Zellen viel schneller verarbeitet als Text. Denn Text muss das Gehirn immer erst dechiffrieren Bilder nicht. Ich vergleiche es immer mit Traubenzucker und Vollkornbrot. Während der Traubenzucker (Fotos) direkt von den Mundschleimhäuten aufgenommen werden kann, muss das Vollkornbrot (Text) zuerst den ganzen Verdauungsapparat durchlaufen bevor unser Körper die Kohlenstoffe verwerten kann.

Welches Kosten – Nutzen Verhältnis seht ihr hier?

Auf beiden Seiten sind dieselben Infos wiedergegeben. Die beiden linken Seiten sind unweit teurer zu produzieren als das rechte Blatt. Wieso also stecken die Firmen soviel Geld in eine so aufwendige Werbung, wenn doch die Botschaft und die Informationen viel einfacher und günstiger vermittelt werden können.

Innenseiten eines Supermarktprospekts

So kennen wir die Informationen von Supermärkten

  • Die Sachen sehen appetitlicher aus?
  • Die Abbildungen wecken Emotionen?

Beides ist richtig, aber der wesentliche Punkt ist, dass Bilder 60.000mal schneller vom Gehirn erfasst und verarbeitet werden kann als Text.

Inhalt eines Prospektes als Tabelle

Dies ist der gleiche Inhalt, eben nur als Text.

Das Gehirn ist faul

denn es möchte sowenig Energie verbrauchen wie möglich. Text muss erst mit viel Energieaufwand entschlüsselt werden während der Inhalt eines Bildes sofort erfasst werden kann. Und diesen Umstand machen sich die Werbetreibenden zu Nutze in dem sie die Produkte immer auch als Foto abbilden und nicht nur als Text.
Deshalb ist es sinnvoll Bilder, Grafiken und Illustrationen zu verwenden, um Botschaften zu vermitteln.

Märchen und Gleichnisse sind die Vorläufer des gedruckten Bildes

Zu den Zeiten, als es noch keine Möglichkeiten gab Bilder einfach und schnell in großen Mengen zu vervielfältigen bedienten sich die Menschen damit Bilder in den Köpfen entstehen zu lassen. Das funktioniert durch Geschichten, die wir heute als Märchen, Sagen, Parabeln, Fabeln, Legenden und Gleichnissen kennen.
»Rotkäppchen und der böse Wolf«, »Frau Holle«, »Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter« oder »Nathan der Weise« Alleine die Titel lösen bei uns immer noch Emotionen aus und die Erinnerung an den Inhalt wird wach gerufen. Hätten wir aber irgendwann einmal die Botschaft bekommen:

  • geh nicht allein in den Wald, dort lauert der Wolf
  • sei fleißig, dann wird es dir gut gehen
  • Helfen ist wichtiger, als Vorschriften einzuhalten
  • sei tolerant

Geschichten, die in uns Bilder und damit auch Emotionen auslösen bleiben nachhaltig gespeichert und ihre Botschaft verfestigt sich je öfter wir sie hören.

Die Wiederholung macht es

Und hier sind wir bei einem weiteren Punkt, den wir Kommunikationsdesigner anwenden: Wiederholung. Je öfter wir ein Zeichen sehen, desto eher merken wir es uns. Die Wiedererkennbarkeit und die Verbindung zwischen Bild, Aussage und Firma wird durch Wiederholungen erreicht.

So funktioniert visuelle Kommunikation:

  • Botschaften in möglichste einfachen Bilder transformieren
  • Je nach Botschaft
    • einfache Bilder verwenden (Leitsysteme)
    • oder mit Emotionen aufladen (Werbung)
    • und diese immer und immer wieder zeigen (Wiederholung)

Ich hoffe wieder etwas Klarheit vermitteln zu können, was wir Designer machen und wie dies wirkt.

Eberhard Schorr | Der-Landfotograf | Ihr Fotograf für die Bio-Branche