Werbung 03 • Wieso Profi-Fotografen keine schönen Fotos machen

Werbung 03 • Wieso Profi-Fotografen keine schönen Fotos machen.

Was man als Student der visuellen Kommunikation sehr schnell lernen muss ist es niemals etwas Schönes zu entwerfen, egal ob als Layouter, Grafiker, Illustrator, Typograf, Fotograf, Webdesigner.

Schöne Dinge kann man sich aufs Regal stellen oder in den Flur, an die Wand hängen oder verschenken, in der visuellen Kommunikation haben sie nichts verloren, denn hier zählt einzig und allein die Funktion.

Wenn Sie eine Webseite haben möchten, oder zur ihrer Hochzeit einladen wollen, wenn Sie eine Visitenkarte brauchen oder Porträts, wenn Sie einen Flyer verteilen wollen; … soll die Webseite, die Einladungskarte, Visitenkarte, die Porträts oder der Flyer schön aussehen oder soll er funktionieren? Gewinnt man einen Kunden weil man einen schönen Flyer hat oder weil der Flyer genau das vermitteln kann, was der Kunde sucht?

Müssen nicht all diese Dinge eine Funktion erfüllen, haben sie nicht einen Auftrag, ein Ziel?

Es gilt: Form > Follows > Function

Am Beginn steht die Funktion und daraus ergibt sich die Form. Die Frage, die wir Gestalter als Erstes zu klären haben ist: was ist das Ziel, was soll mit dem Foto, dem Layout, der Webseite, dem Porträt erreicht werden; wer ist der Betrachter, welche Erwartungen hat er, in was für einen Kontext steht das Porträt, das Foto, die Grafik?

Diese Fragen müssen zuerst geklärt werden und dann entwerfen wir Gestalter respektive Diplom Designer ein Layout, ein Bildkonzept.

Anders formuliert, der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Ergo muss man den Fisch gut kennen um den passenden Köder aussuchen zu können.

Ein Foto ist wie ein Zahnrad

es muss in der Maschine seine Funktion erfüllen können, ansonsten wird unsere visuelle Darstellung nicht oder sogar falsch verstanden.

Ich weiß, es gibt viele, die mit viel Hingabe fotografieren, die auch ganz tolle und beeindruckende Bilder machen, deren Fotos auch über Bildagenturen verkauft und veröffentlicht werden. Und die Hobby-Fotografen und Quereinsteiger liefern auch eine hohe Qualität ab – ABER – wenn diese Fotos in einem professionellen Umfeld genutzt werden, dann sitzt da jemand, der von Bildsprache, Gestaltung, Kontext, visueller Kommunikation eine Ahnung hat. Und der oder die haben das Foto unseres Hobby-Fotografen ausgewählt, weil es in das Produkt: Flyer, Webseite, Artikel,… gerade passt.

Aber wäre unser Hobby-Fotograf auch in der Lage die Motive zu liefern, wenn die Bildredakteurin, der Art-Direktor, die Journalistin ihm ein Briefing gibt und er losziehen muss um die notwendigen Motive zu fotografieren?

Vom 25. bis 27. Mai 2018 halte ich einen Workshop im Kloster Plankstetten zu genau diesem Thema:

Journalistisches Fotografieren – Ziel des Kurses ist es, die notwendigen Motive zu finden um einen Artikel, einen Blog oder eine Webseite bebildern zu können. Link

 

»Kontext« und »Funktion« sind die Schlüsselbegriffe.

Ein Foto, ein Film, eine Grafik stehen nie alleine, sie sind eingebunden in ein Layout, eine Webseite, einem Artikel, einen Flyer, … was auch immer. Und sie müssen in der Lage sein den Sinn und Zweck einer Firma, eines Verbandes, eines Mitarbeiters, eines Produktes, einer Dienstleistung zu vermitteln. Und sie müssen diese Funktion an genau dieser Stelle erfüllen können.

Damit dies gelingt, braucht es jemanden, der weiß was er tut und dies lernt man als Designer der visuellen Kommunikation, der sich dann auf Grafik, Fotografie, Typografie, Video, Illustration, Webdesign spezialisiert hat.

Was man von The-voice-of-germany lernen kann oder wie man über Nacht ein Biobauer wird.

Ich bin großer Fan von Voice of Germany. Ich finde es klasse, wie sich da Leute einfach hinstellen und mit vollem Elan singen – KÖNNEN! Es gibt Menschen, denen ist das angeboren, die haben nie einen Gesangsunterricht besucht, können keine Noten lesen oder ein Musikinstrument spielen, aber sie singen als gäbe es keinen Morgen. Großes Kino!

Wer diese Show kennt, weiß, dass, wer von den Kandidaten die erste Hürde genommen hat, dann von prominenten Musikern gecoacht wird. Im zweiten und dritten Teil werden den Talenten (so die offizielle Bezeichnung der Kandidaten) die Lieder teils vorgegeben. Und hierbei passiert es eben auch, dass jemand, der 1a Hardrock Lieder singen kann oder Joe Cocker beerben könnte nun plötzlich einen soften Popsong trällern muss und dabei keine gute Figur macht.

Und hier wie da gibt es eben Naturtalente, die können super gut Hochzeiten fotografieren, tolle Bilder von ihren Hunden machen oder knackige Porträts von der befreundeten Hardrock-Band erstellen – aber eben nicht auch automatisch Bilder für einen redaktionellen Artikel über die Herstellung von Ziegenkäse machen, anschaulich darstellen was auf einer Messe passiert oder authentische Porträts von Bio-Bäuerinnen fotografieren.

Wenn ich mal im Lotto gewinne, dann kauf ich mir einen Bauernhof, hol mir den besten Traktor, lass mir Top-Ställe für Kühe, Schafe und Ziegen hinstellen mit allem technischen Gedöns, was der Markt so hergibt. Kauf mir Land mit Ackerzahl nicht unter 110 und hol mir Saatgut und schon bin ich über Nacht ein Top Bio-Bauer, weil ich ja alles nur vom feinsten habe.

Das geht nicht? Oh, in der Fotografie passiert das ständig, meist über die Weihnachtszeit.

Eberhard J. Schorr – der-landfotograf.de

  • Veröffentlicht in: Blog

Schreibe einen Kommentar


*