Fotografie 02 • Bildauswahl

Das Fotografieren als solches, mit der Kamera unterwegs sein und Bilder machen, nimmt im Leben eines Fotografen nur einen kleinen Raum ein. Das was vorher getan werden muss um funktionierende Bilder zu bekommen aber vor allem was danach noch an Arbeit auf den Fotografen wartet, dauert meist länger als das eigentliche Fotografieren.

Die Motiv- und Bildauswahl ist mindestens genauso wichtig wie das Fotografieren. Denn gute, überzeugende Fotos können ganz schnell ihre Kraft verlieren, wenn sie nicht passend ausgewählt und platziert werden.

Ein Auftrag gliedert sich in drei Abschnitte:

Briefing – Fotografieren – Bildauswahl

  • Briefing – hier geht es um das Thema und welche Motive gebraucht werden um es bebildern zu können. So informiere ich mich vorab über den Bauernhof, die Firma, die Menschen, die dort arbeiten und stelle für mich die Motive zusammen, die ich dann fotografieren möchte. Von Vorteil dabei ist es, dass ich auf einen Bauernhof groß geworden bin und Gärtner gelernt habe. Vieles ist mir bekannt und ich weiß oder kann mir vorstellen, was auf mich zu kommt.

Bei landwirtschaftlichen Themen ist es wichtig zu wissen: es kommt häufig anders als man denkt. Spontanität und Improvisation sind Grundvoraussetzungen sowohl in der Landwirtschaft als auch beim Fotografieren.

  • Fotografieren – Die Technik muss man blind beherrschen, das ist klar. Hinzukommt, dass jeder Fotograf im Laufe der Zeit seine Ausrüstung und die Art zu fotografieren an das Metier anpasst welches er vor allem bearbeitet. So auch ich. Ich arbeite immer mit zwei Kameras um spontan von Weitwinkel auf Tele wechseln zu können. Bislang verwendete ich einen Schultergurt an dem ich links und rechts je eine Kamera hängen hatte. Als ich einmal auf einer Weide kniend eine Herde Ziegen fotografieren wollte griff ich ohne hinzusehen nach der zweiten Kamera. Sie fühlte sich weich und warm an. Auf der Weide standen auch noch Pferde und Kühe.
Ziegen

Archehof, Gut Falkenhain, Boitzenburger Land, Brandenburg, Deutschland, DEU, Foto: Eberhard J. Schorr

Es macht schon einiges an Arbeit eine Kamera von einem warmen Kuhfladen zu befreien und dies wollte ich mir zukünftig sparen. Jetzt nutze einen Hüftgürtel für die zweite Kamera, damit diese nicht mehr in Berührung kommen kann mit den Stoffwechselendprodukten von Nutztieren.

  • Bildauswahl – Und nun kommt die eigentliche Hauptarbeit, was den Zeitaufwand angeht. Als Beispiel nehme ich die Fotos, die ich auf dem Hof von SpeiseGut, einem Solawi-Hof gemacht habe.
    • Der erste Schritt ist es, alle Bilder auszusortieren, die technische Mängel haben, also unscharf oder verwackelt sind oder wo man vor lauter Fell den Galloway Bullen gar nicht mehr sieht weil wir zu nahe dran waren. Dann wird es schon schwierig. Hier müssen wir unsere Motivliste herausholen und diese mit den gemachten Bildern abgleichen.

Bilder vom Hof SpeiseGut

Wie sieht dieser Ablauf nun konkret aus? Für die Redaktion des Magazins »AufsLand!« vom Berliner Verlag sollte ich Fotos liefern zum Thema Solawi. Solawi bedeutet solidarische Landwirtschaft und ist ein Konzept bei dem die Verbraucher von Bio-Lebensmitteln selbst am Hof mitarbeiten.

Wer mehr erfahren möchte, kann den Artikel auf Wikipedia lesen.

Als Beispiel für Berlin wurde der Bauernhof SpeiseGut von Christian Heymann ausgewählt. Ich besuchte Christian Heymann auf einem der Felder an einem Samstag im September an dem auch Helfer kamen und im Oktober nochmals als die Kartoffelernte stattfand. Es entstanden rund 600 Fotos. Wie oben beschrieben sortierte ich alle aus, die einen technischen Mangel hatten; es blieben noch 427 Bilder übrig.

Bildauswahl

Nach einer ersten Auswahl sind noch 427 Bilder übrig • Helfer Einsatz • Thema: Solidarische Landwirtschaft • Bio Bauernhof: SpeiseGut, Spandau

Nach einer ersten Auswahl sind noch 427 Bilder übrig • Kartoffelernte • Thema: Solidarische Landwirtschaft • Bio Bauernhof: SpeiseGut, Spandau

Als Fotograf kann man der Redaktion keine 427 Bilder schicken; ich muss eine Vorauswahl treffen. Dazu gehe ich nach folgenden Punkten vor:

  • Wird im Text auf dieses Motiv eingegangen?
  • Kann es zur Veranschaulichung dienen?
  • Kann als Ergänzung verwendet werden?

Bei unserem Beispiel wären dies alle Porträts, denn die Journalisten Stéphanie Grix hat einige der Helfer interviewt. Wer genau hinsieht, wird merken, dass ich bei den Porträts die Personen mal links, mal rechts gesetzt habe mit viel Umgebung und auch mal formatfüllend. So hat der Layouter die Möglichkeit Text ins Bild setzen zu können, das Foto links oder rechts auf der Seite positionieren zu können oder es eng anzuschneiden.

Dann sind natürlich Totale wichtig, die dem Betrachter einen Überblick vermitteln. Dabei ist besonders auf die Linienführung zu achten und den Goldenen-Schnitt als Gestaltungsmittel zu verwenden. Auch hier ist der Layouter froh, Bilder zu bekommen, die offene, ruhige Bereiche haben in der er Text setzen kann.

Bio Bauernhof

127 Bilder habe ich an die Redaktion geschickt • Thema: Solidarische Landwirtschaft • Bio Bauernhof SpeiseGut, Spandau

Für die Geschichte selbst aber auch damit der Layouter Varianten zur Hand hat, habe ich Details fotografiert: Sonnenblumen, Gemüsepflanzen auf dem Feld, reifes Gemüse auf einem Holztisch, Arbeitsgeräte, Kartoffelkisten.

solidarische Landwirtschaft

Bildauswahl und Layout der Redaktion • Thema: Solidarische Landwirtschaft • Bio Bauernhof: SpeiseGut, Spandau

Im finalen Layout findet sich keines dieser letztgenannten Motive. Der Schwerpunkt des Artikels lag auf den Menschen und Ihrer Arbeit auf dem Feld, was bereits im Titel deutlich wird. »Gemeinsam ackern«.

Nichtsdestotrotz, braucht es diese Motive. Als Fotograf muss ich mich in die Lage der Redaktion und der Grafikerin hineinversetzen, die mit meinen Fotos den Artikel bebildern müssen. Eine logische aber auch vielfältige Auswahl an Bildern erleichtert deren Arbeit. Und hier kann ich damit Punkten, dass ich visuelle Kommunikation studiert und als Grafiker in Werbeagenturen gearbeitet habe; ich kenne die Situation gut als Gestalter jetzt nicht das Foto zu haben, das man eigentlich bräuchte um das Layout rund zu bekommen.

Bio Bauernhof

21 Bilder blieben von den ursprünglichen rund 600 Fotos übrig. Diese werden von mir einzeln nachbearbeitet. Zum Thema Bildbearbeitung habe ich eine eigene Reihe im Blog verfasst.

Funktionierende Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing sind kein Hexenwerk, aber ein gewisses Know-how gehört dazu.

Eberhard J. Schorr • Der Landfotograf • Januar 2018

Kurse 01 • Fotoworkshop »Storytelling« im Kloster Plankstetten vom 25. bis 27.05.2018

Fotoworkshop

Fotokurs – Storytelling/Journalistisches Fotografieren/Repotage Motive für Artikel, Webseiten, Blogs zu fotografieren

Technisch gute Fotos zu machen ist heutzutage keine Kunst mehr. Die Software der Kameras ist inzwischen so gut, dass fast immer richtig belichtete und scharfe Bilder entstehen. Neben der Technik sind noch Gestaltungsregeln zu beachten um ein funktionierendes Bild zu bekommen. Hierzu gibt es unzählige Lehrvideos und Artikel im Netz und stapelweise Bücher.

Nur sind technisch perfekte Fotos mit einer klaren Aussage noch lange nicht ausreichend eine Geschichte zu erzählen. Gerade bei redaktionellen Beiträgen, aber auch bei der Darstellung des eigenen Hofes, der Vermittlung der eigenen Arbeit und Produkten gehört mehr dazu als zu verstehen, was die Blende macht und wie man den Goldenen Schnitt einsetzt.

Wenn ich als Fotograf von einer Werbeagentur, einer Redaktion oder eines Unternehmens losgeschickt werde um Bilder für eine Broschüre, einen Artikel oder einer Webseite zu machen, muss ich mit den verantwortlichen Personen ein Bildkonzept erarbeiten – oder die zuständigen Bildredakteure, Marketing-Leiter, Grafiker, Chefs vertrauen mir und sagen: mach mal.

Aber auch dann brauche ich für mich ein Konzept, was für Motive für diesen oder jenen Auftrag notwendig sind.

Fotokurs KlosterPlankstetten-17-der-landfotograf

Vorarbeit ist vonnöten, es muss eine Liste von Motiven erstellt werden, die ich brauche um die Geschichte erzählen zu können. Dabei muss ich mich in die Lage dessen versetzen, der die Bilder sehen wird. So ist es wesentlich zu wissen, wer die Betrachter sind; was wissen sie über das Thema, was interessiert sie und was kennen sie vielleicht noch gar nicht.

Grau ist alle Theorie.

Und so ist es. Da hat man sich als Fotograf eine schöne Liste von Motiven erarbeitet, die man unbedingt ablichten möchte oder muss und dann kommen tausend Sachen dazwischen oder auch dazu, die so gar nicht ins Konzept passen.

Aufmacher Herdenschutzhunde

Herdenschutzhunde in Brandenburg • AufsLand! Berliner Verlag

Auf der einen Seite muss man beim Fotografieren immer flexibel sein und die Augen offenhalten, auf der anderen Seite darf man aber auch nicht das Ziel aus den Augen verlieren und seine Motivliste nicht vergessen.

Kurz, es ist oft ein Spagat den man als Fotograf hinlegen muss um zum einen die optimalen Motive zu bekommen, gleichzeitig neue Motive, die vor einem plötzlich auftauchen wahrzunehmen und dann noch soviel Improvisationstalent zu haben, damit man auch das Motiv bekommt, das man braucht. (Wenn Sie diesen Satz nicht gleich verstanden haben, macht nix, das Fotografenleben ist wirklich komplex.)

Neben dem genannten Improvisationstalent braucht es noch viel an psychologischen Fingerspitzengefühl und auch knallharter Durchsetzungsfähigkeit sowie Geduld um einen Auftrag auch erfolgreich abwickeln zu können. (Und dies lernt man auf keiner Uni oder durch kein Lehrvideo, das lernt man durch Erfahrung.)

Deshalb der Kurs

Mit diesen komplexen Aufgaben werden wir uns in dem Kurs beschäftigen. Natürlich spielt die Technik und die Bildgestaltung auch eine Rolle, nur ich werde diese nicht didaktisch aufgearbeitet behandeln. Auf Technik und Bildgestaltung gehe ich dann ein, wenn Fragen auftauchen.

Herdenschutzhunde

Herdenschutzhunde in Brandenburg • AufsLand! Berliner Verlag

Zielgruppe

sind all jene, die nicht nur EIN Foto machen wollen, sondern mit vielen Fotos eine Geschichte erzählen möchten, sei es für den eigenen Blog oder die Webseite, sei es für eine Broschüre oder auch für einen Flyer. Neudeutsch nennt sich das Storytelling man kann auch einfach Geschichten erzählen sagen oder journalistische Fotografie. Das Gegenstück dazu wäre die Werbefotografie. Hier – um dies kurz zu erwähne – wird alles inszeniert und nichts zum Zufall überlassen.

Anmeldung

Dieser Link führt zur Anmeldeformular  (Im Kursprogramm ist der Name »Journalistisches Fotografieren«)

Herdenschutzhunde

Herdenschutzhunde in Brandenburg • AufsLand! Berliner Verlag

Ich freue mich sehr auf den Kurs und wünsche mir, dass viele aus dem Bereich Bio-Landwirtschaft kommen, denn hier gibt es noch sehr viel Bedarf an der Verbesserung der Öffentlichen Darstellung und des visuellen Auftritts.

Ganz besonders freue ich mich auf unsere Location; Kloster Plankstetten ist ja ein Vorreiter in Sachen Bio-Landwirtschaft und Nachhaltigkeit. Der Ort bietet viele Themen an, die wir bearbeiten können.

Eberhard J. Schorr • Der Landfotograf • Januar 2018

Werbung 03 • Wieso Profi-Fotografen keine schönen Fotos machen

Werbung 03 • Wieso Profi-Fotografen keine schönen Fotos machen.

Was man als Student der visuellen Kommunikation sehr schnell lernen muss ist es niemals etwas Schönes zu entwerfen, egal ob als Layouter, Grafiker, Illustrator, Typograf, Fotograf, Webdesigner.

Schöne Dinge kann man sich aufs Regal stellen oder in den Flur, an die Wand hängen oder verschenken, in der visuellen Kommunikation haben sie nichts verloren, denn hier zählt einzig und allein die Funktion.

Wenn Sie eine Webseite haben möchten, oder zur ihrer Hochzeit einladen wollen, wenn Sie eine Visitenkarte brauchen oder Porträts, wenn Sie einen Flyer verteilen wollen; … soll die Webseite, die Einladungskarte, Visitenkarte, die Porträts oder der Flyer schön aussehen oder soll er funktionieren? Gewinnt man einen Kunden weil man einen schönen Flyer hat oder weil der Flyer genau das vermitteln kann, was der Kunde sucht?

Müssen nicht all diese Dinge eine Funktion erfüllen, haben sie nicht einen Auftrag, ein Ziel?

Es gilt: Form > Follows > Function

Am Beginn steht die Funktion und daraus ergibt sich die Form. Die Frage, die wir Gestalter als Erstes zu klären haben ist: was ist das Ziel, was soll mit dem Foto, dem Layout, der Webseite, dem Porträt erreicht werden; wer ist der Betrachter, welche Erwartungen hat er, in was für einen Kontext steht das Porträt, das Foto, die Grafik?

Diese Fragen müssen zuerst geklärt werden und dann entwerfen wir Gestalter respektive Diplom Designer ein Layout, ein Bildkonzept.

Anders formuliert, der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Ergo muss man den Fisch gut kennen um den passenden Köder aussuchen zu können.

Ein Foto ist wie ein Zahnrad

es muss in der Maschine seine Funktion erfüllen können, ansonsten wird unsere visuelle Darstellung nicht oder sogar falsch verstanden.

Ich weiß, es gibt viele, die mit viel Hingabe fotografieren, die auch ganz tolle und beeindruckende Bilder machen, deren Fotos auch über Bildagenturen verkauft und veröffentlicht werden. Und die Hobby-Fotografen und Quereinsteiger liefern auch eine hohe Qualität ab – ABER – wenn diese Fotos in einem professionellen Umfeld genutzt werden, dann sitzt da jemand, der von Bildsprache, Gestaltung, Kontext, visueller Kommunikation eine Ahnung hat. Und der oder die haben das Foto unseres Hobby-Fotografen ausgewählt, weil es in das Produkt: Flyer, Webseite, Artikel,… gerade passt.

Aber wäre unser Hobby-Fotograf auch in der Lage die Motive zu liefern, wenn die Bildredakteurin, der Art-Direktor, die Journalistin ihm ein Briefing gibt und er losziehen muss um die notwendigen Motive zu fotografieren?

Vom 25. bis 27. Mai 2018 halte ich einen Workshop im Kloster Plankstetten zu genau diesem Thema:

Journalistisches Fotografieren – Ziel des Kurses ist es, die notwendigen Motive zu finden um einen Artikel, einen Blog oder eine Webseite bebildern zu können. Link

 

»Kontext« und »Funktion« sind die Schlüsselbegriffe.

Ein Foto, ein Film, eine Grafik stehen nie alleine, sie sind eingebunden in ein Layout, eine Webseite, einem Artikel, einen Flyer, … was auch immer. Und sie müssen in der Lage sein den Sinn und Zweck einer Firma, eines Verbandes, eines Mitarbeiters, eines Produktes, einer Dienstleistung zu vermitteln. Und sie müssen diese Funktion an genau dieser Stelle erfüllen können.

Damit dies gelingt, braucht es jemanden, der weiß was er tut und dies lernt man als Designer der visuellen Kommunikation, der sich dann auf Grafik, Fotografie, Typografie, Video, Illustration, Webdesign spezialisiert hat.

Was man von The-voice-of-germany lernen kann oder wie man über Nacht ein Biobauer wird.

Ich bin großer Fan von Voice of Germany. Ich finde es klasse, wie sich da Leute einfach hinstellen und mit vollem Elan singen – KÖNNEN! Es gibt Menschen, denen ist das angeboren, die haben nie einen Gesangsunterricht besucht, können keine Noten lesen oder ein Musikinstrument spielen, aber sie singen als gäbe es keinen Morgen. Großes Kino!

Wer diese Show kennt, weiß, dass, wer von den Kandidaten die erste Hürde genommen hat, dann von prominenten Musikern gecoacht wird. Im zweiten und dritten Teil werden den Talenten (so die offizielle Bezeichnung der Kandidaten) die Lieder teils vorgegeben. Und hierbei passiert es eben auch, dass jemand, der 1a Hardrock Lieder singen kann oder Joe Cocker beerben könnte nun plötzlich einen soften Popsong trällern muss und dabei keine gute Figur macht.

Und hier wie da gibt es eben Naturtalente, die können super gut Hochzeiten fotografieren, tolle Bilder von ihren Hunden machen oder knackige Porträts von der befreundeten Hardrock-Band erstellen – aber eben nicht auch automatisch Bilder für einen redaktionellen Artikel über die Herstellung von Ziegenkäse machen, anschaulich darstellen was auf einer Messe passiert oder authentische Porträts von Bio-Bäuerinnen fotografieren.

Wenn ich mal im Lotto gewinne, dann kauf ich mir einen Bauernhof, hol mir den besten Traktor, lass mir Top-Ställe für Kühe, Schafe und Ziegen hinstellen mit allem technischen Gedöns, was der Markt so hergibt. Kauf mir Land mit Ackerzahl nicht unter 110 und hol mir Saatgut und schon bin ich über Nacht ein Top Bio-Bauer, weil ich ja alles nur vom feinsten habe.

Das geht nicht? Oh, in der Fotografie passiert das ständig, meist über die Weihnachtszeit.

Eberhard J. Schorr – der-landfotograf.de

Herdenschutzhunde • Schäferei Jürgen Körner • Jüterbog, Brandenburg

Im Februar 2017 besuchte ich den Schäfer Jürgen Körner in Jüterbog südlich von Berlin. Um seine Herden vor dem Wolf zu schützen züchtet er seit rund elf Jahren Herdenschutzhunde. 23 Pyrenäenberghunde stehen bereit um die Schafe zu verteidigen.

Und das machen sie richtig gut; bisher hat Herr Körner noch keine Verluste beklagen müssen. Pro Herde setzt er drei Hunde ein, die diese vor allem nachts bewachen.

Herdenschutzhunde

Jürgen Körner mit zwei seinen Herdenschutzhunden und seinem Hütehund (vorne, der klein schwarze Hund) • Aufmacher – Herdenschutzhunde in Brandenburg für AufsLand! BerlinerVerlag

Zugegebenermaßen hatte ich etwas Bammel als ich nach Jüterbog fuhr. Herdenschutzhund klingt für mich doch sehr – äh? – überzeugend. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Die Hunde sind überhaupt nicht aggressiv (was ich befürchtet hatte), kläffen nicht und sind, solange Herrchen dabei ist, sehr zutraulich.

Aber auch beeindruckend.

Wie man auf den Bildern sehen kann, sie sind sehr groß und, was man nicht sehen kann, sie haben ein überzeugendes Organ. Wenn ein solcher Hund bellt, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat.

Herdenschutzhunde

Der Schäfer Jürgen Körner mit einem seiner Herdenschutzhunde, die recht groß sind – sein müssen. • Doppelseite – Herdenschutzhunde in Brandenburg für AufsLand! BerlinerVerlag

Zuerst waren wir bei den Ställen, die direkt am Rande von Jüterbog liegen. Die Hunde werden als Welpe schon bei den Herden gehalten. So gewöhnen sich Schaf und Hund aneinander und der Hund weiß, wen er zu verteidigen hat.

Sobald ich auf einen der Pferche zuging, sprang einer der Hunde auf und lief auf mich zu. Aber eben nicht aggressiv, er bellte nicht einmal, sondern wollte eben sehen, wer da kommt und ob ich eine Gefahr für seine Herde sein könnte.

Als dann Herr Körner mit dazu kam, trottete er auch schon wieder zu den Schafen zurück und legte sich wieder hin.

Später fuhren wir zu einer Herde auf die Weide, die tagsüber von einem Schäfer begleitet werden. Nachts halten drei Hunde Wache. Als wir ankamen, kamen die Hunde gleich auf Herrn Körner zu gesprungen und freuten sich sehr.

Als die Dämmerung hereinbrach und ich nicht mehr fotografieren konnte, packte ich meine Sachen ins Auto; das dauert immer etwas bis ich alle Linsen, Kameras, Gurte und sonstiges Zeug verpackt habe. Die beiden Schäfer waren schon fortgefahren. Ich war also alleine. Und obwohl ich doch sehr weit von der Herde weg war und ich mit dem Rücken zu ihnen stand, kamen zwei der drei Hunde zu mir gelaufen und haben beobachtet, was ich da so mache.

Die Hunde sind sehr wachsam und es entgeht ihnen nichts.

Herdenschutzhunde

Die Hunde sind schon als Welpen bei den Schafen, so gewöhnen sich beide Tierrassen aneinander. • Doppelseite – Herdenschutzhunde in Brandenburg für AufsLand! BerlinerVerlag

Ich habe zwar geschrieben, dass die Hunde nicht aggressiv sind, aber es ist jedem anzuraten einen großen Bogen um die Hunde herum zu machen, wenn man ihnen begegnet und sie zu bellen beginnen.

Die Schweizer setzen schon länger Herdenschutzhunde ein. Es gibt einen kurzen Film, in dem erklärt wird, wie man sich verhalten soll, trifft man auf Herdenschutzhunde. Hier der Link

Und was ist nun der Unterschied zu Hütehunden?

Hütehunde passen auf, dass die Herde zusammenbleibt und treiben diese auf den Schäfer zu. Während Hütehunde vom Menschen gesagt bekommen, was zu tun ist, arbeitet der Herdenschutzhund autonom.

Bildbearbeitung 03 • selektive Anpassungen

Wie im vorherigen Beitrag (BILDBEARBEITUNG 02) schon erläutert, belichtet die Kamera so, wie es ihr von den Programmen vorgegeben wird. Helligkeit, Kontrast, Weißabgleich (Farbton) wird von einer Software gesteuert. Wenn die Konstraste nicht zu stark sind und die Lichtquelle von schräg hinten leuchtet, dann liefert die Automatik der Kamera gut Ergebnisse. Wenn eine Belichtung technisch gut ist, heißt das noch lange nicht, dass sie unser Motiv so wiedergibt, wie wir es gerne hätten (Bildaussage).

Ebenso kann die Kamerasoftware nicht wissen, was unser eigentliches Motiv ist und vor allem, worauf unser Fokus lag, welchen Eindruck wir hatten und was wir dem Betrachter vermitteln wollen.

Hinzu kommt noch die technischen Parameter, die zu beachten sind vor allem dann, wenn das Bild gedruckt werden soll und darauf möchte ich heute näher eingehen

Unserer Augen passen sich sofort den unterschiedlichen Lichtsituationen an. Wird es hell schließt sich die Iris und die Pupille wird kleiner. Blicken wir in eine dunkle Ecke, so öffnet sich die Pupille und es kann mehr Licht einfallen.

Schauen wir uns ein schwarzes Galloway-Rind an, so öffnet sich unsere Pupille soweit, dass wir das Fell erkennen können. Fällt unser Blick auf ein rosa Schweinchen, so schließt die Iris sich und wir erkennen auch hier die Borsten und können Haut von Haar unterscheiden. Dies geschieht in Bruchteilen von Sekunden.

Machen wir nun ein Foto auf dem das schwarzen Galloway und unser Schwein drauf soll, so muss die Kamera eine Belichtungszeit wählen. Und dies kann so kurz sein, dass wir das Schwein gut erkennen können, dafür wird aber das Rind zu dunkel oder der Betrachter kann die Haare vom Fell des Rindes sehen, aber das Schwein wird zu einer weißen Fläche.

Und an der Stelle muss dann der Fotograf am Rechner dies ausgleichen. D. h. wenn das Schwein gut zu erkennen ist, muss er das Rind aufhellen bzw. das Borstentier abdunkeln. Und dies haben wir Fotografen schon immer so gemacht – damals eben im Labor.

Unser Motiv heute ist eine Gruppe von Absetzern, die auf Strohballen spielen, anhand dessen ich die selektive Bearbeitung von zu hellen und zu dunklen Parteien zeigen möchte.

Bildbearbeitung

rechts: so kam das Foto aus der Kamera, links: das Bild nach der selektiven Bearbeitung

Bildteil zu dunkel

Hier ein Ausschnitt: An dieser Stelle ist zwar technisch gesehen alles o.k. Allerdings ist nur schwer zu erkennen was die Beiden da machen.

Bild heller gemacht

Macht man nun das ganze Bild heller, so wird diese Stelle auch heller, nur der Rücken vom Schweinchen rechts wird zu hell. Es entsteht eine weiße Fläche – dies gilt es zu vermeiden.

Selektive Nachbelichtung

Den Rücken vom Schweinchen rechts habe ich selektiv nachbelichtet. Wie das geht zeige ich im Film.

 

Vielen Dank für das Interesse und dem Besuch auf meiner Webseite.

Mein Anliegen ist es, die Arbeit des Fotografen transparenter zu machen ohne zu Tief ins Fachliche abzugleiten. Schwerpunkt ist die Bio-Landwirtschaft.

Über Fragen, Kritik und Anregungen freue ich mich.

Eberhard J. Schorr – der-landfotograf.de

Bildbearbeitung 02 • Am Beispiel vom Foto von Eber Siggi

Für einen Fotografen ist ein Bild, das aus der Kamera kommt noch lange kein Foto; es ist eine Belichtung.
Die Kamera kann nicht wissen, was dem Fotografen wichtig ist, sie belichtet nach Vorgaben, die ihr ein Ingenieur einprogrammiert hat. (Außer der Fotograf belichtet komplett manuell) und selbst wenn ich manuell alles einstelle, so wird eben der komplette Sensor/Dia/Negativ auf einmal belichtet.
Doch häufig ist es so, dass mir ein Bildteil besonders wichtig ist ein anderer soll eher zurückgenommen werden. Mit der Bearbeitung der Bilder am Rechner (früher im Labor) führe ich das Auge des Betrachters dorthin wo ich sage: dies ist mein eigentliches Motiv, das soll optisch hervorgehoben werden.
Neben dem inhaltlichen Schwerpunkt, den ich bei der Bearbeitung setzen kann gibt es noch die technischen Parameter, die zu berücksichtigen sind.
Soll das Foto später gedruckt werden ist es sinnvoll bei der Bearbeitung die Vorgaben für einen Druck zu berücksichtigen (z. B. Gesamtfarbauftrag)

Für die Bio-Bauern Clemens und Axel vom Sauenhain-Potsdam habe ich Fotos von ihren Schweinen gemacht. Hier eines vom Eber Siggi.

Gleich zu Beginn sieht man, dass der automatische Weißabgleich (das ist der Farbton, der die Kamera dem Bild zuweist) viel zu kühl ist. Dies muss ich ausgleichen.

Dann wirkt das Foto (wie fast immer) zu flach. Umgebung und der Eber trennen sich optisch nicht genügend. So mache ich den Hinter- und Vordergrund dunkler und den Eber kontrastreicher.

Zudem sind die hellen Stellen auf seiner linken Flanke zu hell; bei einem Druck gäbe es eine weiße Stelle, die man vermeiden möchte, denn dadurch verliert das Bild an Plastizität und es fehlt an Information.

Das hat alles nichts mit Manipulation zu tun, wie man ab und an hören kann, sondern ich lege bei der Bearbeitung fest, was ich gesehen habe. Und in diesem Fall war es der Eber Siggi, der auf mich zugerannt kam. Ergo muss ich die Bildteile so behandeln, dass dies auch für einen Betrachter nachvollziehbar wird.

Mein Anliegen ist es, die Arbeit des Fotografen transparenter zu machen ohne zu Tief ins Fachliche abzugleiten. Schwerpunkt ist die Bio-Landwirtschaft.

Über Fragen, Kritik und Anregungen freue ich mich.

Eberhard J. Schorr – der-landfotograf.de

 

Jagdglück • Wie ich meinen ersten Keiler erlegte • 01. April

Keiler

Diesen Keiler habe ich erlegt – ganz ohne Gewehr!

 

Am vergangenen Freitag war ich zum ersten Mal bei einer Jagd mit dabei, und weil ich ja noch ein Frischling war durfte ich nicht schießen, sondern musste so ganz ohne Jagdwaffe losziehen.
Normalerweise bringen die Greenhorns dann Kröten mit, fangen mal eine Eidechse oder einen Igel oder, wenn es ganz blöd läuft, nur eine totgeschlagene Stechmücke.

Ich hatte großes Glück! Mir lief ein fulminanter Keiler über den Weg.

In Ermangelung eines Jagdgewehres musste ich mir etwas anders überlegen wie ich den Eber zur Strecke zu bringen.
Als er auf seiner Flucht vor den Treibern kurz vor mir nach rechts abdrehte, packte ich seine Hinterläufe und nutze den Schwung wie ein Judoka um den Schwarzkittel auf die Seite zu legen. Bums, 170 kg lagen flach.

Keiler

Wie man sieht, der Eber lebt – beide Eber leben!

Geistesgegenwärtig sprang ich zum Kopf des Tieres und drückte mit meinem Knie seine Halsschlagader ab bis es bewusstlos liegen blieb und keinen Zuckerer mehr machte.
Gottseidank kam auch justament eine der Treiberinnen zum Kampfplatz und konnte mich und meine Jagdbeute fotografisch festhalten. (siehe Bild)

Der Eber lebt

Ein Ausschnitt vom obigen Foto auf dem man sehen kann, dass der Keiler lebendig ist.

Da kein Jäger mit Gewehr in der Nähe war und ich nicht ewig den Keiler im Schwitzkasten halten konnte, ließ ich von ihm ab und er berappelte sich wieder; so ein Eber ist ja hard im Nehmen.
Mit einem großen Hallali wurde mein erster Jagderfolg am Abend gewürdigt. Es gab auch noch eine mündliche Prüfung und bei der habe ich im Fach Jägerlatein eine glatte 1+ bekommen.

Was ein Tag!

Eber

Alles Gute Dir!

Werbung 02 • Werbung ist noch mehr

Vorab noch, diese Reihe will keine vollständige, didaktisch aufbereitete Anleitung zum Thema: Werbung in der Bio-Branche sein. Ich sammle hier meine Gedanken und Erfahrungen und möchte damit all jenen Hinweise, Tipps und Anregung geben, die als Bio-Bauer, Hofladenbetreiberin oder Händler sich mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Somit sind Ergänzungen und Hinweise ausdrücklich erwünscht.

Bei meinen vielen Gesprächen mit Bäuerinnen und Bauern, Ladenbetreibern und Händlern kommt man oft auf das Thema „Werbung“ zu sprechen. Mein Fazit aus all den Gesprächen ist, dass „Werbung“ viel zu eng verstanden wird. Ich setze auch deshalb „Werbung“ in Anführungszeichen, denn eigentlich geht es immer um die Außendarstellung des Betriebes und diese umfasst mehr als „nur“ Werbung zu machen.

Aber schauen wir uns an, was „Werbung“ alles umfasst, beabsichtigt und unbeabsichtigt.

Als Erstes denkt jeder bei „Werbung“ an den Verkauf von Produkten und der Gewinnung von Kunden. Das stimmt so, ist aber nur ein kleiner Teil davon was mit Werbung erreicht wird. Was wir für Produkte haben und verkaufen wollen ist im Bereich der Biolandwirtschaft sehr klar und eindeutig. Aber schon bei den Kunden sieht es anders aus.

Welche Kunden wollen wir erreichen?

Kunde ist nicht gleich Kunde. Es gibt den treuen Bestandskunden, den Käufer, der ab und an vorbeikommt und es gibt die Neukunden, die wir erst noch gewinnen müssen. Somit sollte man, bevor man „Werbung“ macht, sich fragen: welchen Kunden möchte ich erreichen? Dies ist wichtig, denn hier kann man große Fehler machen.

Ein Beispiel, das wohl jeder kennt. Wer Bestandskunde bei einem Mobilfunk- oder Internet-Anbieter ist hat wenig Vorteile. Gibt es Preissenkungen oder Angebote gelten die meist nur für NEU-Kunden. Treue Kunden werden derzeit nicht belohnt. Was macht man dann als Bestandskunde – man wechselt den Anbieter. Dies ist für beide Seiten blöde – wir müssen kündigen, neuen Anbieter suchen, bestellen, dann mit den Problemen bei der Umstellung kämpfen und unser alter Anbieter verliert einen Kunden und hat den Verwaltungsaufwand mit der Kündigung.

Mir scheint, die Mobilfunk- und Internet-Branche hat noch nicht verstanden, dass der Markt verteilt ist und es kaum noch Leute gibt, die kein Mobiltelefon oder Internet-Anschluss haben. Eigentlich wäre es jetzt wichtig, den Bestandskunden immer wieder Angebote zu machen, damit sie bleiben, denn dies macht weniger Aufwand als die mühselige Neukunden Akquise. Diese Überlegung würde ich auch allen Hof- und Bioladen Betreibern empfehlen.

Wie ist mein Kundenstamm aufgebaut? Habe ich viele treue Bestandskunden oder erziele ich Umsatz durch wechselnde Laufkundschaft oder brauche ich neue Kunden? Will ich meine Kunden für ihre Treue belohnen oder muss ich mein Angebot weiter bekannt machen, damit ich neue Kunden erreiche.

Denn erst dann, wenn ich weiß, wen ich ansprechen will, kann ich entsprechend Werbung machen.

Aber Werbung wirkt viel weiter als nur auf bestehende oder neue Kunden. Darauf gehe ich im nächsten Blog-Beitrag ein.

»Aufs Land!« • Hof Stolze Kuh – Ammenhaltung

Biohof »Stolze Kuh« • Janusz und Anja Hradetzky mit ihren Kindern Johann und Leander • Weinbergstr. 6a, 16248 Lunow-Stolzenhagen – 02.08.2017

Im August war ich für das Magazin »Aufs Land!« beim Bio-Hof »Stolze Kuh« in Stolzenhagen, das liegt zwischen Angermünde und Bad Freienwalde an der Oder kurz vor der polnischen Grenze.

Hier betreiben Janusz Hradetzky mit seiner Frau Anja den Hof »Stolze Kuh«. Das besondere an dem Hof von Janusz und Anja ist, dass die Kälber von Ammen versorgt werden und nicht mit dem Eimer gefüttert werden. Dass die Tiere auf großen Weiden stehen versteht sich von selbst; aber auch der Melkstand befindet sich auf der Weide. Er ist fahrbar und kann nach Bedarf umgesetzt werden.

Die rund 30 Kühe stehen auf Wiesen im Nationalpark Unteres Odertal. Janusz und Anja züchten sogenannte Zweinutzungsrassen wie dem Original Braunvieh, Angler Rotvieh alter Zuchtrichtung, Tiroler Grauvieh und Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind. Zweinutzungsrasse bedeutet, dass man sowohl die Milch verwertet als auch das Fleisch.

Milch und Fleisch werden direkt ab Hof vermarktet. Aktuell wird noch eine Käserei gebaut um später auch eigenen Käse herstellen zu können.

Soweit die Info zum Hof.

Was mich sehr beeindruckt hat war, wie Anja die Kühe im Griff hat.

Während Janusz mit Sohn Johann und der Journalistin Stéphanie Grix mit dem Auto zurück fuhren, bin ich mit Anja, die ihren dreimonate alten Sohn Leander vor sich auf dem Bauch trug und dem Hund über die Weide zurück gelaufen.

Der Hund tobte auf der Weide herum und nervte die Kühe; er kam dann zu uns und schwirrte zwischen unseren Beinen hin und her. Zwei der Kühe sahen rot und rannten im vollen Galopp von hinten auf uns zu. Ich bekam schon leicht Panik, während Anja ganz locker weiter erzählte.

Als die zwei Kühe mit voll Karacho keinen Steinwurf mehr von uns weg waren, drehte sich Anja um, machte einen Schlenker mit dem Arm und – die Kuh drehte im vollen Galopp einfach ab. Ich war beeindruckt.

Kurze Zeit später rannte der Hund bei mir hin und her.

Gleiches Spiel: Kühe rannten los mit dem Ziel kleiner Landfotograf und dann machte ich es genauso wie Anja; drehte mich um, schwenkte den Arm und tatsächlich, die Kuh drehte ab.

– Die Macht war mit mir. –

Ich war nun schon in einigen brenzligen Situationen auf Weiden mit Tieren, aber dass auf mich eine Kuh herangaloppiert, das war etwas Neues. Eine Mutter mit ihrem Baby haben mir gezeigt, wie man mit einer genervten Kuh umgeht.

Hof Stolze Kuh

Diese Kuh war es, die Anja und mich dann verfolgt hat.

Diese Erfahrung half mir später dann bei der Abwehr eine sehr angenervten Muttersau geholfen, aber das ist eine andere Geschichte.

– Noch ein Hinweis. Es kommt immer wieder vor, dass Menschen von Kühen totgetrampelt werden. Wenn man Kühe friedlich auf der Weide stehen sieht, kann man sich das kaum vorstellen.

Nur, wenn die Kühe Kälber haben oder sich bedroht fühlen UND für sich keine Fluchtmöglichkeit sehen, dann rennen sie auf die vermeintliche Bedrohung los.

Da Hunde zu ihrem Frauchen oder Herrchen zurück kehren, rennen die Kühe logischerweise auf diese los.

Ich hab schon öfter galoppierende Rinder gesehen; sehr sehr beeindruckend und mit sehr viel kinetischer Energie.

Also: Abstand halten vor Kühen mit Kälbern. Nie den Fluchtweg der Kühe verstellen. Und den Hund immer an der Leine führen und einen großen Bogen um die Herde machen. Wenn dann aber doch einmal eine Kuh angreift, den Hund von der Leine und selbst die Beine in die Hand nehmen.

»Aufs Land« • Krankenhaus für Greifvögel und Eulen

Im Juni war ich wieder zusammen mit der Journalistin Stéphanie Grix unterwegs, mit der ich viele Tiergeschichten für das Magazin „Aufs Land“ bearbeite: Wir besuchten die Greifvogelstation der Oberförsterei bei Hohenleipisch. Wanderer und Spaziergänger, die kranke oder verletzte Greifvögel finden, können sie zu dieser Station bringen. Dort werden die Vögel untersucht, verarztet und solange dort behalten, bis man sie wieder auswildern kann.

Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, habe ich diesmal weit mehr an Fotoausrüstung eingepackt als sonst. Ich wusste nämlich nicht, wie weit ich mich an solch ein Tier heranwagen darf, und ob die Tiere auch ruhig sitzen bleiben oder sich eher verstecken und wegfliegen. Es war dann doch einfacher als gedacht: Die Vögel sind entweder krank oder verletzt – und daher ruhig.

Die Station steht auch interessierten Vogelfreunden offen: Es gibt Führungen und viele Info-Tafeln. Doch zu allererst ist es eine Krankenstation. Deshalb sind die Volieren so gestaltet, dass die Vögel Ruhe haben, nicht abgelenkt werden, und dass die Räume auch leicht zu reinigen sind.

Der Leiter, Herr Falko Göbert, und sein Kollege Torsten Pawlack zeigten uns die Anlage und ihre gefiederten Patienten. Im ersten Krankenzimmer war ein Uhu mit wundervollen orangeroten Augen, typischer Gefiederfärbung und langen Federohren. Dann bekamen wir einen jungen Kauz zu sehen. Ich packte mein Makroobjektiv aus, um die beeindruckenden großen, tiefschwarzen Augen festzuhalten sowie diese wunderbaren Federn und die – trotz seiner Jugend – beeindruckenden Krallen. Herr Göbert zog eine Schwinge auf, und so konnte ich die herrlichen Federn ablichten.
Uhus, Käuze und die heimischen Greifvögel kannte ich schon. Nun aber kamen wir zu einem Sperlingskauz, der seinen rechten Flügel gebrochen hatte. Deshalb stellte er ihn etwas vom Körper ab, wie auf den Fotos gut zu sehen ist – und den Vogel hätte ich am liebsten mitgenommen!
Ich finde ja das Wort „süß“ in Bezug auf Tiere meistens viel zu verniedlichend und deshalb eher unangebracht. Doch bei diesem Sperlingskauz kam selbst mir gleich ein „Ach, wie süß!“ in den Sinn.

Leider konnte ich ihn nicht in Größenrelation zu einem bekannten Gegenstand fotografieren. Daher wirkt er auf dem Bild genauso groß oder klein wie der Uhu – nur ist der Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) gerade mal so groß wie eine ausgewachsene Taube. Zum Vergleich: Ein Uhu wird zwischen 60 und 70 Zentimeter groß, ein Sperlingskauz nur 16 bis 19 Zentimeter.

Bei Brüchen werden die Tiere geröntgt und – so möglich – mit Draht wieder flugtauglich gemacht. Neben verletzten und kranken Tieren kommen auch Jungvögel zu Herrn Göbert und Herrn Pawlack in die Station, die aus dem Horst gefallen sind, wie die drei Falken. Aber leider ist in manchen Fällen keine Auswilderung möglich, wie bei dem Seeadler, der einen Teil seines linken Flügels eingebüßt hat. Herr Göbert hat ihn für mich gehalten, und so konnte ich sehr beeindruckende Aufnahmen von seinen Augen und den Krallen machen.

An diesem Tag wurde ein Bussard wieder freigelassen. Dazu musste er erst mit einem Köcher gefangen werden. Und so war es noch einmal möglich, aus nächster Nähe mit dem Makroobjektiv tolle Aufnahmen von Augen und Schnabel zu machen.

Die Station nimmt auch Rabenvögel auf, wie den Kolkraben (Corvus corax) Rudi, der – ganz typisch Rabe! – zwar neugierig ist, was ihm da vorgehalten wird, aber doch den sicheren Abstand wahrt. Neben den kargen und zu den Seiten abgeschlossenen Krankenzimmern hat die Station eine Schau-Voliere, die von einem Ehepaar aus Franken gestiftet wurde.

Der Besuch war eine tolle Erfahrung – meine Faszination für die Wunder der Natur wurde wieder einmal geweckt: Die feinen Federn, diese großen, klaren Augen und die extrem spitzen und teils scharfen Krallen sind einfach beeindruckend.

Ich hoffe, der Artikel im Magazin „Aufs Land“ hat einige Leser bewogen, die Station zu besuchen und sie mit Spenden zu unterstützen. Übrigens bieten die Mitarbeiter der Greifvogelstation auch Umweltbildung an.

Greifvogelstation „Foersterei Oppelhainer Pechhuette“, Gorden-Staupitz, Brandenburg, Deutschland, DEU, 21.06.2016, Foto: Eberhard J. Schorr